#Chemnitz — Der Marsch der Toten, der Lebenden und der Tag danach

#Chemnitz — Der Marsch der Toten, der Lebenden und der Tag danach

Keine 24 Stunden sind vergangen seit dem Schweigemarsch in Chemnitz, bei dem mehr als 14.000 Menschen diszipliniert und würdevoll der jüngsten Mordopfer gedacht haben. Jene Würde wird nun durch das beschämende Hauen und Stechen in der Frage zertrampelt, wer für den vorzeitigen Abbruch der Kundgebung verantwortlich war.

Gespenstische Stille

Dieses Bild ist um die Welt gegangen: Merkels Einzelfälle haben Namen, Gesichter und Schicksale. Sie haben den gewaltigen Trauerzug ein letztes Mal angeführt und den Lebenden damit den Weg gewiesen. Die Presse ist nun nach Kräften bemüht, sich Arme und Beine bei dem Versuch auszureißen, die Ereignisse klein zu schreiben, umzudeuten und für ihre Propaganda zu instrumentalisieren. Möge sich jeder selbst eine Meinung bilden: https://youtu.be/Z34xKIO4z0U

Irgendwer ist schuld

Bekanntlich konnte die Veranstaltung nicht wie geplant beendet werden. Naturgemäß setzt nun die Suche nach den Verantwortlichen ein. Eigentlich, sollte man meinen, kein sehr kompliziertes Verfahren. Der Rechtsstaat war nicht Willens und/oder in der Lage, sich gegen vergleichsweise wenige Extremisten durchzusetzen. Wie so oft. Wenig überraschend in einem Staat, den sich Extremisten zur Beute gemacht haben und dessen Gewaltmonopol sie nun gegen die eigenen Bürger richten.

Wirklich erschreckend (und sehr zur Freude eben jener kriminellen Elemente, soviel ist sicher!) geht sich nun das patriotische Lager gegenseitig an die Gurgel. Die AfD ist schuld, meint »Pro Chemnitz«. [1] Die Polizei ist schuld, meint Maximilan Krah (AfD). [2] Die AfD ist schuld, meint Hans‐Thomas Tillschneider (AfD). [3]

Nichts gegen (Selbst-)Kritik, aber… was ist mit den gewalttätigen Demokratiefeinden, welche die Demo‐Route blockiert haben? Wer hat die eigentlich gezüchtet, gemästet, aufgehetzt, rangekarrt und die Einsatzleitung der Polizei an die kurze Leine genommen? Die AfD war das jedenfalls nicht. Auch nicht Pro Chemnitz.

Hinterher wissen es alle besser

Halten wir mal fest: Es war »von oben« explizit nicht gewollt, dass diese Kundgebung ordnungsgemäß über die Bühne geht. Das hätte man ahnen können, und es wurde spätestens deutlich, als die Marschroute der ersten (von Pro Chemnitz angemeldeten) Demonstration spontan und kreativ an der Antifa vorbei »umgeleitet« werden sollte. Diese Demo wurde daraufhin vom Veranstalter aufgelöst.

Jetzt kann man sich freilich darüber streiten, ob die hochkochende Stimmung am Ende der zweiten (von der AfD angemeldeten) Demo, die nur durch Björn Höckes beherztes Eingreifen mit knapper Not vor einer Eskalation bewahrt wurde, überhaupt so entstanden wäre, wenn nicht der Veranstalter kleinlaut beigegeben hätte. Die Auflösung an sich war unter den gegebenen Umständen de jure richtig, der Grund für die Auflösung de facto illegal.

Ich hätte die Demonstration offiziell für beendet erklärt und den Leuten gesagt: »Wer jetzt trotzdem hier stehen bleiben mag, kann das natürlich gerne privat tun.« Und ich wäre als prominentes Vorbild auch gleich stehen geblieben. Der hilflose Versuch, die weit über 10.000 dann noch anwesenden friedlichen Menschen gewaltsam zu entfernen, hätte sehr interessante Bilder produziert. Der Punkt ist nur: Ich bin nicht Björn Höcke, ich hätte nicht die Verantwortung dafür getragen und ich sitze jetzt mit einigen Stunden Abstand hier gemütlich in einem Sessel, während ich das tippe. Mit welchem Recht könnte ich also anderen »schlaue« Ratschläge erteilen?

Chemnitz war erst der Anfang

Möglicherweise wäre es klüger gewesen, die Staatsmacht durch zivilen (und friedlichen!) Ungehorsam zu einer Überreaktion zu nötigen. Ich bin mir sogar zu 95 Prozent sicher, dass die Beamten vor Ort einen entsprechenden Räumbefehl der Einsatzleitung schlichtweg nicht durchgesetzt hätten. Die wissen sehr wohl, wer Freund und Feind ist, wer sie den ganzen Tag lang beschimpft, tätlich angegriffen und »beschäftigt« hat — und wer nicht.

Sei’s drum. Wer hofft, dass Chemnitz nun zur Ruhe kommt und die Menschen landesweit resignieren lässt, sollte dringend mal seinen Tagesschau-Konsum reduzieren. Für eine weitere Eskalation hat der oberste Demokratie‐Versteher des Landes bereits gesorgt, indem er die fröhliche Messermord‐Party der Verfassungsfeinde höchstselbst bewirbt. [4] Sollte jemand Frank‐Walters PR‐Berater persönlich kennen, bitte ich darum, ihm meinen herzlichen Dank zu übermitteln!

Das wird ein heißer Herbst, Freunde. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum Diktaturen und Diktatürchen oft nach dem selben »Schema F« die immer gleiche Checkliste der wichtigsten Dinge, die man auf keinen Fall tun sollte, kurz vor Ladenschluss penibel abhaken… aber wie das enden wird — das weiß ich zum Glück aus eigener Anschauung.

[1] https://www.facebook.com/prochemnitz/posts/2225502934158684
[2] https://www.facebook.com/maximilian.krah/posts/10212550241011630
[3] https://sezession.de/59356/nicht-nur-der-rechtsstaat-hat-in-chemnitz-kapituliert
[4] https://www.facebook.com/Bundespraesident.Steinmeier/posts/700030827034644

Sina Lorenz

Patriotische Libertäre mit Tendenz zu geistigen Amokläufen.
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