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Kandels überraschendes Problem: Nazis. Überall Nazis!

Wenn jemand dafür bekannt ist, die berechtigten Sorgen der Kandeler und Kandlererinnen ernst zu nehmen, dann wohl ihr geliebter Bürgermeister Volker Poß: »Angst und tiefe Verunsicherung« spürt er zielsicher bei seinen Bürgern. Nein, nicht etwa vor »minderjährigen« Messerstechern, natürlich nicht — sondern vor denjenigen Menschen, die deshalb protestieren!

Knick in der Optik

»Großaufgebote der Polizei müssen Monat für Monat für die Sicherheit der Kandeler bei Demonstrationen rechter Gruppierungen sorgen«, berichtet realitätsscheu der FOCUS. [1] Dass die Polizei überhaupt nur aus einem einzigen Grund dort so dermaßen zahlreich anrückt, nämlich um die Kandeler, die »rechten Gruppierungen« und nicht zuletzt sich selbst vor linksextremen Gewalttätern zu schützen, erwähnt er seltsamerweise nicht. Das wäre die eigentliche Nachricht gewesen.

Aus naheliegenden Gründen bekommt der für dumm gehaltene Leser eine andere, sagen wir mal »alternative« Deutung der Wirklichkeit aufgetischt. Immerhin sind es die Geister, die Bürgermeister Poß selbst rief — und es hat keineswegs den Anschein, als würde er auch nur versuchen, sie wieder loswerden zu wollen. Ganz im Gegenteil. Vorläufiger Höhepunkt dieses würdelosen Spektakels war sicherlich der Aufmarsch der rheinland‐pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer samt Antifa im Schlepptau. [2]

Da es nach Poß’scher Logik den Demonstranten (»die der rechten Szene zuzuordnen sind«) gar nicht um die auslösende Tat, die nach wie vor haarsträubenden Zustände in Kandel [3] oder sonst irgendein (seiner Meinung nach) legitimes Ziel geht, versteht sich von selbst, dass der Fall Mia »zunehmend instrumentalisiert [wird], um rechtsradikale Botschaften zu verbreiten. Kandel ist für all die Akteure nur ein Werkzeug, um daran ihre Propagandaziele festzumachen.«

Eine ganz kleine Clique…

Folglich »finden sich unter den Demonstranten auch nur noch wenige Kandeler.« Oder, wie es bereits ein anderer deutscher Politiker vor ihm in völliger Verkennung von Ursache und Wirkung formuliert hat: »Eine ganze kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherisch‐dummer Offiziere hat ein Komplott…«

»Poß habe das bei den letzten Kundgebungen beobachtet.« Das ist bestimmt so ein verkniffen mausgrauer Typ, wie er auch schon in der DDR bei den Mitmenschen äußerst beliebt war, der sich hinter der Gardine verdächtige KFZ‐Kennzeichen »von außerhalb« notiert. Kleiner Scherz! Oder doch nicht?

»Bei den großen Kundgebungen und Aufmärschen, beispielsweise im März dieses Jahres, waren mehr als 4000 Demonstranten hier bei uns in Kandel, die zum Teil mit Bussen angefahren sind. Autos mit Kennzeichen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland waren zu erkennen.«

Klasse statt Masse

Mal ernsthaft: Kandel hat überhaupt nur 9.000 Einwohner. Wie wahrscheinlich ist es, dass bei 4.500 Demonstranten alle davon Einwohner Kandels sind? Das wäre eine Quote von 50 Prozent — ein Vielfaches der Beteiligung von Leipzigern auf dem Höhepunkt der »Montagsdemos« im Herbst 1989. Wie realistisch wäre das? Zumal noch im tiefsten Westen, und in einem erdrückenden Klima »tiefer Verunsicherung und Angst«, wie Bürgermeister Poß selbst berichtet:

»Hass, rechtslinksradikale Parolen, Beleidigungen und Diffamierungen in einem nicht vorstellbaren Maß haben uns hier in Kandel überrollt. Die große Zahl [Gegen-]Demonstranten, die zum Teil auch Gewaltbereitschaft und Aggressivität erkennen lassen, bereiten vielen Bürgerinnen und Bürgern Furcht und Sorge.« Schlimmer noch, sogar der Kapitalismus kapituliert: »Die Geschäftsstraße Kandels sei an Tagen von Demonstrationen ›wie leergefegt‹. Den Aussagen des Bürgermeisters zufolge würden Geschäfte und Cafés sogar früher schließen, weil sich die Einwohner nicht mehr auf die Straße trauen würden.«

Kein Wunder also, dass sich unter solchen Bedingungen nur wenige Einwohner trauen, »Gesicht zu zeigen«. Immerhin müssen sie noch in dieser Gutmenschenhölle leben und ihren Alltag bewältigen, wenn die Polizei längst wieder abgerückt ist. Zudem, machen wir uns nichts vor, hat auch nicht jeder die Eier dafür, sich beispielsweise wie Miriam Kern mit einem Pappschild bewaffnet einsam in die Höhle der Hyäne… also vor das Gemeindehaus zu stellen, bis ihr die Polizei auf den Hals gehetzt wird. [4] Vom Bürgermeister! So fing es an. Und auch deshalb wurde es so groß. Seltsam, nicht?

Solidarität unter Mittätern

Der Gipfel der Frechheit, man ahnt es schon, kommt natürlich erst noch: »Gegenüber der ›Welt‹ berichtet Poß auch von seinem Treffen mit Bundespräsident Frank‐Walter Steinmeier und weiteren Amtskollegen, die ähnliches durchmachen wie Poß. ›Bundespräsident Steinmeier hat nicht nur uns Bürgermeistern, sondern auch den vielen ehrenamtlich Tätigen vor Ort ein hohes Maß an Wertschätzung und Respekt entgegengebracht. Diese Unterstützung ist wichtig‹.«

Der Ärmste. Überall und aus unerfindlichen Gründen werden derzeit arglose Gemeinden »von Nazis« überrollt, wie unlängst erst in Mödlareuth geschehen [5] — aber wenigstens drückt ihn der Frank‐Walter mal ganz lieb. Wo er sich nun schon mit all diesen lästigen Menschen herumplagen muss, die tatsächlich die Dreistigkeit besitzen, angemeldet, friedlich und gewaltfrei gegen seine lokale »Alles so schön bunt hier!«-Politik zu protestieren. Furchtbar! Dabei verliert man schon mal die Orientierung, ich verstehe das, da werden aus Bürgerrechten ganz schnell rechte Bürger. Na, jedenfalls haben sich da die zwei Richtigen gefunden!

Auf den Tag, an dem die Kanzlerin oder der Bundespräsident mal die Angehörigen der Opfer in den Arm nimmt (in, nicht auf!) können wir wohl lange warten. Aber mal ehrlich: Auf so eine Heuchelei können sie auch ganz gut verzichten. Nur eine strafrechtliche Verurteilung der Täter, Mittäter, Gehilfen, Ermöglicher, Förderer und Sympathisanten des aktuellen Unrechts ist akzeptabel und als würdiger Abschluss geeignet. Vorher geht da keiner nach Hause. Nicht in Kandel und auch nirgendwo sonst. Pech gehabt!

[1] https://www.focus.de/panorama/welt/eine-stadt-im-ausnahmezustand-hass-rechtsradikale-parolen-beleidigungen-fall-mia-laesst-kandel-nicht-zur-ruhe-kommen_id_9124369.html
[2] https://philosophia-perennis.com/2018/04/10/kandel-auftritt-strafanzeige-gegen-spd-ministerpraesidentin-dreyer/
[3] https://www.welt.de/vermischtes/article177313146/Festnahme-Randale-in-Kandel-Fluechtling-geht-auf-Polizei-los.html
[4] https://www.journalistenwatch.com/2018/02/14/mahnwachen-gruenderin-aus-kandel-ruft-auf-zur-demo-in-kandel-am-03–03-2018/
[5] https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2018/06/15/komische-leut-in-moedlareuth/