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Eine Seefahrt, die ist… zwecklos?

Viel hätte ich dafür gegeben, Augenzeugin der dummen Gesichter an Bord der Aquarius just in jenem denkwürdigen Moment sein zu dürfen, als den notorischen Schleppern dämmerte, dass Bunt‐Europa nicht nur die Tür hinter ihnen zugemacht, sondern auch gleich den Schlüssel weggeworfen hat. Aber man kann ja nicht alles haben.

Als die Maske fiel

Manchmal kommt die Genugtuung spät, aber sie kommt. Ich erinnere mich noch lebhaft an die gehässige Schadenfreude der NGOs, als im vergangenen Sommer auf ihr Betreiben hin (und vermutlich mit nicht wenig Soros‐Geld im Hintergrund) die Besatzung der C‐Star sprichwörtlich in Sichtweite des Schleuserhafens von Valletta (Malta) »weichgeklopft« werden sollte. Weder durfte das Schiff der Mission Defend Europe den Hafen anlaufen, noch durfte es von dort aus versorgt werden.

Nicht zuletzt angesichts der zur Neige gehenden Trinkwasser‐Vorräte an Bord könnte man durchaus festhalten: Die selbsternannten Vorkämpfer grenzenloser »Humanität« hatten spontan eine Sympathie für Grenzen entwickelt und keinerlei Probleme damit, ihre Kritiker vor den Augen der Weltöffentlichkeit verrecken zu lassen. Man muss kein PR‐Genie sein, um die nachhaltige Wirkung dieser Geste zu verstehen.

Natürlich hatten sie die Rechnung ohne jene Malteser gemacht, die mit wehenden Fahnen und ausgestrecktem Mittelfinger kurzerhand die Blockade ihres korrupten Staatschefs Joseph Muscat brachen. Es sollte nicht seine letzte Blamage bleiben. Unvergessen ist jenes Foto der identitären Aktivisten, die — tatsächlich längst auf dem Heimweg — unmittelbar vor Muscats Büro für ein »Selfie« in die Kamera lächelten; während die Behörden fieberhaft nach einem Schiff suchten, das nie einlaufen würde… [1]

Wilder Westen im Süden

Eine verrückte Zeit. Das »Geschäft« auf der Zentralen Mittelmeerroute lief wie geschmiert. Zehntausende und Aberzehntausende Migranten wurden durch eine kleine, stetig wachsende Armada gutmenschlicher Transportunternehmen direkt von der libyschen Küste weg, wo sie sich unter fachmännischer Anleitung in Seenot begaben, »gerettet« und hunderte Kilometer nach Norden verschifft. Nicht wenige dieser Schatzsuchenden haben es später sogar bis in deutsche Lokalnachrichten geschafft. Aber das ist ein anderes Thema.

Flankiert von weit verästelten Fluchthelfer‐Organisationen und deren Anwälten, einer gut geölten Asylindustrie und dem medialen Sperrfeuer tränentriefender »Retter‐Dokus« zur besten Sendezeit standen die Behörden auf verlorenem Posten. Libyens tapferer wie aussichtsloser Kampf gegen die Schleuserbanden und ihre europäischen Helfer konnte kaum besser in einem prägnanten Bild zusammengefasst werden als durch sein letztes schwimmfähiges Patrouillenboot.

Mittendrin, statt nur dabei: Schiffe von Frontex, europäischer Seestreitkräfte und Küstenwachen, deren — zumindest theoretisch — eigentliche Aufgabe der Schutz von Europas feuchten Außengrenzen sein sollte. Nicht selten fanden sie sich unversehens »aufgrund der Umstände«, plötzlich zu Humanspediteuren degradiert, inmitten dieses zynischen Spektakels wieder. Das passiert schon mal, wenn man Seerecht derart beugt, dass es jeden Moment brechen könnte. Kaum ein Jahr ist das nun alles her.

Abgang mit Ansage

Vermutlich dachten die beteiligten Akteure selbst dann noch, dass alles seinen gewohnten Gang gehen würde, als Italien mit Rückendeckung der europäischen Innenminister seinen Verhaltenskodex auf den Weg brachte. Anders kann man sich die schnoddrige Herablassung kaum erklären, mit der einige Protagonisten ihre Unterschrift für selbst grundlegendste Regeln und Selbstverständlichkeiten demonstrativ verweigerten.

Und, wenn man ehrlich ist: welche Folgen hätten sie in jenem Europa, das unermüdlich nach neuen Wegen sucht, illegale Migration zu legalisieren, realistisch auch fürchten sollen? Es war sicher eine naheliegende wie fatale Fehleinschätzung, die bevorstehenden Wahlen in Italien, Österreich und Deutschland zu unter‐ und zugleich die eigene Wichtigkeit zu überschätzen. Auch schäbige Politiker möchten (wieder) gewählt werden. Dafür springt dann schon mal eine NGO über die Klinge, wenn es der Imagepflege dient.

Zu allem Unglück stürzte sich dann bekanntermaßen, mit ihrem berüchtigten Gespür für gutes Timing, auch noch die identitäre Mission Defend Europe mitten ins Getümmel. Kaum etwas ist peinlicher für einen im Überlebenskampf begriffenen Politiker als Amateure, die seinen Job machen und mit geringsten Mitteln, gegen alle nur denkbaren Widerstände, das angeblich Unmögliche vollbringen. Nicht zuletzt dieser Gemengelage ist die Beschlagnahme der Iuventa von »Jugend Rettet« zu verdanken. Und das sollte erst der Anfang sein.

Ein Odysseechen

Seit diesen denkwürdigen Wochen im Sommer 2017 hat sich die politische Landkarte Europas deutlicher verändert, als ich zu hoffen gewagt hätte. Das »Ankunftsland« Italien mag nicht mehr, das »Durchgangsland« Österreich ebenso nicht, und im Bundestag des Flüchtilanten‐Paradieses ist es mit der gemütlichen Selbstbeweihräucherung auch vorbei. Während drinnen das System Raute Tag für Tag tiefer im eigenen BAMF‐Morast versinkt, zerschnippeln derweil »draußen im Land« emotional aufgewühlte Fachkräfte die Menschen, die dort schon länger leben und mit ihnen die letzten Reste der Willkommenskultur.

Jetzt hat es also, um wieder zurück aufs Mittelmeer zu schwenken, mit der Aquarius von SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen einen weiteren notorischen Darsteller in der Manege des Wahnsinns getroffen. [2] Völlig zurecht. Langsam aber sicher wird es dort recht übersichtlich. Man kann nur hoffen, dass irgendeine geistesgegenwärtige Nation diesen Pott, natürlich nach Löschung seiner wertvollen Fracht und Verhaftung der Mannschaft, auf den Grund schickt. Es wäre ein standesgemäßes Ende für ein Schiff diesen Namens. Vielleicht sogar der Beginn einer wundervollen Taucher‐Attraktion.

Und auch wenn diese Geschichte undank des Spielverderbers Spanien letztlich leider (vorerst) kein Happy End fand, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die kuschelige Heimstatt aller bunten Seefahrer, ausgerechnet Malta, so wenig von der Aussicht begeistert war, die eigentlich für die Durchreise bestimmten Goldstücke behalten zu dürfen, dass es der Aquarius gleich mal den Hafen verweigert hat. Diesen Humor muss man mögen.

Prost

Mir bleibt an dieser Stelle eigentlich nur, diesem neuerdings vom Pech verfolgten Schiff mit einer Buddel Rum zuzuprosten und über die Reling einen maritimen Gruß zu signalisieren. Beispielsweise: »Ist ein scheiß Gefühl, vor verschlossener Tür zu stehen, oder? Ihr Lutscher!« Ich weiß, was ihr letzten Sommer getan habt. Ich weiß, was ihr diesen Sommer tut. Den nächsten braucht ihr gar nicht erst einplanen.

[1] https://www.info-direkt.eu/2017/08/28/defend-europe-crew-ist-erfolgreich-nach-europa-zurueckgekehrt/
[2]
https://www.tagesstimme.com/2018/06/11/italien-sperrt-haefen-fuer-ngo-schiffe-mit-migranten-an-bord/