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ZDF: Der Große Austausch in einem kleinen Nebensatz

Folge 6 der ZDF-Dokureihe »Die Australien-Saga«. [1] Typisch amerikanische Machart, reichlich Pathos und endlose Wiederholungen der selben Sätze und Bilder, aber egal. Durchaus anschaubar. Irgendwie. Aber schließlich passiert das Unvermeidliche, es wird wieder mal subtil eine »wichtige Botschaft« eingestreut. Ungefähr so:

Australien hat gerade in letzter Sekunde vietnamesische Kriegswaisen aus Saigon ausgeflogen. 260 (!) von ihnen werden später von Australiern adoptiert, ein paar Tausend kommen »so noch« nach. Sie machen sich gut in der Schule und so weiter. Die Ostasiaten sind bekanntlich ziemlich clever, fleißig und anpassungsfähig. Und wo man schon mal bei einer Erfolgsgeschichte ist, folgt wenige Augenblicke später eine scheinbar beiläufige Feststellung.

»Heute ist jeder vierte australische Bürger nicht auf diesem Kontinent geboren.« (Dazu das Bild einer übergewichtigen Afrikanerin in einem lustigen bunten Kostüm) »Ihre Kinder werden vermutlich Mischehen führen. Besser gebildet, und wohlhabender sein, als irgendwo sonst auf der Welt.« (Eine Frau mit verdächtig aussehendem Kopftuch latscht durchs Bild) Ab ca. Minute 22 und 30 Sekunden. — Und danach geht’s einfach weiter, als wäre nichts gewesen.

Man sieht überwiegend blonde, weiße Australier, Crocodile Dundee und so weiter… Aber Moment mal. Jeder vierte Australier ist gar nicht mehr in Australien geboren? Okay, Australien ist, von der indigenen Bevölkerung abgesehen, an sich ein klassisches »Einwanderungsland«. Das ist also an sich erst mal nicht verdächtig. Der Grund allerdings, warum die (zumindest auf den älteren Filmaufnahmen) alle so durchschnittlich »europäisch« aussehen ist — dass sie es sind. Oder, na ja, waren. [2]

Inzwischen wird Australien, wie fast alle westlichen Länder, von einem ganz erheblichen Migrationsdruck aus der Dritten Welt geplagt. Primär aus Asien, aber auch sonst. Was dann bekanntlich zur beispielhaften »No Way«-Kampagne geführt hat, um die Mittelmeer-ähnlichen Zustände halbwegs in den Griff zu bekommen. Also diese Art von Migration, die man nicht unbedingt haben will. Schwer vorstellbar, dass Frauen im Burkini die australische Surfkultur weiterentwickeln.

Wenn man etwas aus den Fehlentwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte von Europa lernen kann, dann vermutlich dies: Die Sache mit den Mischehen könnte stimmen. Aber dass deren Kinder besser gebildet und wohlhabender »als irgendwo sonst auf der Welt« sein werden, ist bestenfalls spekulativ. Die Gefahr, dass Bildungsstandards abgesenkt werden, um auch noch den Gleichesten der Gleichen irgendwie mitzunehmen, ist nicht von der Hand zu weisen. Und die Sache mit dem Wohlstand folgt dann bekanntlich rasch nach.

Was mich aber zutiefst irritiert: Wenn »Diversity« so toll ist, warum wird dann immer betont, wie normal, unvermeidlich oder gar erstrebenswert »Mischehen« sind? Ist das nicht irgendwie rassistisch? Und wie genau soll das mit der Vielfalt funktionieren, wenn am Ende nach diesem einzigartigen Experiment »Uniformity« herauskommt, also Einheitsbrei statt Vielfalt? Und warum wird eigentlich nie gefordert, z.B. Afrika durch den Import großer Mengen von weißen Einwanderern »aufzuhellen«? Vielleicht kann mir das mal einer erklären.

[1] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/die-australien-saga-5-surfer-und-erfinder-102.html
[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180356/umfrage/ethnien-in-australien/