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Apr 23 2018

Domian ruft sich selbst an

„Nicht mehr mein Land, meine Heimat“, betitelt Jürgen Domian seine Kolumne im Kölner Stadtanzeiger [1] und ich reibe mir ungläubig die Augen: Kritik an der Größten Kanzlerin aller Zeiten (GröKaZ), an der linksgrünen Gesinnungspolizei, der Lügenpresse, an Multikulti-Spinnern, verlogenen Politikern und — Schreck lass nach — am Islam? Um Himmels willen! Jürgen, bist Du das? Der Mann ist reif für die AfD, denke ich mir noch so, aber schon zwei Meter nach dem Start… verheddert er sich hoffnungslos in den eigenen Schnürsenkeln und klatscht der Länge nach hin. Was ist passiert?

Ich will jetzt nicht wiederkäuen, was er alles geschrieben hat, denn das kann jeder selbst nachlesen. Es wäre wirklich eine schöne Kolumne geworden, hätte er bei ungefähr der Hälfte des Textes zu einem dringenden Termin gemusst und das Ding einfach so abgeschickt. Hat er aber nicht. Seine messerscharfe Analyse jedenfalls kulminiert in folgender (zutreffender) Feststellung:

„Übrigens, wir waren in den 90er Jahren schon mal so weit, dass zwei Männer am Samstagabend entspannt Hand in Hand über die Kölner Ringe schlendern konnten. Heute sollten sie das nicht mehr wagen. Zu groß die Gefahr, eins in die Fresse zu bekommen. Und das nicht von Nazis oder anderen Bekloppten, sondern von Männern, die selbst oder deren Eltern aus muslimisch geprägten Gesellschaften stammen. Aus Gesellschaften, in denen Schwulenhass, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus zum Alltag gehören.

Es folgen ein paar selbstkritische Fragen, bei deren Beantwortung ich möglicherweise helfen kann, bevor die Sache mit den Schnürsenkeln passiert. Beispielsweise:

„Warum nehmen wir den Rechtspopulisten dieses Thema nicht weg?“

Nun, ich weiß nicht, wie ich es schonender formulieren soll, aber vereinfacht gesagt… Weil ihr zu blöd dafür seid. Was würdet ihr denn mit dem Thema machen, nachdem ihr es weggenommen habt? Hart durchgreifen? Wäre das nicht rechtspopulistisch? Und wer soll dafür sorgen, dass „in unserem Land niemand etwas zu suchen hat, der nicht zu 100 Prozent auf dem Boden des Grundgesetzes steht“? (Klingt verdächtig nach AfD-Programm, oder?) Soll das am Ende gar Herr Seehofer richten? Das wäre echt lustig.

„Und was jetzt? Ich finde, Herr Seehofer muss handeln.“

Ernsthaft?

„Dabei muss Seehofer aber besonnen vorgehen, und er sollte sich nicht mit so blöden Dingen beschäftigen wie zum Beispiel der Frage, ‚Gehört der Islam zu Deutschland?‘ Natürlich gehört der Islam zu Deutschland! Und das ist gut so.

Aber… aber… die Schwulen… und die Juden…?

„Er gehört dazu, weil zuerst und vor allem das Grundgesetz zu Deutschland gehört. Wenn beides miteinander im Einklang steht, sind wir im grünen Bereich.“

Was? Das ergibt nicht mal Sinn. Der Islam gehört zu Deutschland, weil das Grundgesetz zu Deutschland gehört? Der Islam gehört nicht nur nicht zu Deutschland, weil er einfach nicht dazugehört (das ist ein bisschen so wie mit dem Nutria oder Scientology) — gehört vor allem nicht dazu, weil er überhaupt nicht mit dem Grundgesetz im Einklang steht! Das ist doch der ganze Witz dabei. Da ist überhaupt nichts im grünen Bereich! „Schwulenhass, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus“ (Zitat Domian) sind grundsätzlich nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Punkt. Ernsthaft.

Ich finde es ja grundsätzlich gut, dass da gewisse Denkprozesse einsetzen, aber… Was nutzt es, die richtigen Fragen zu stellen, wenn man die Antworten gar nicht hören will? Zu welchem Zweck anderen Leuten die Themen wegnehmen, um sie dann konsequent nicht zu bearbeiten? Wozu überhaupt den Finger in die Wunde legen, um ihn dann gleich mit einzunähen und zu hoffen, dass er irgendwie schon wieder von selbst rauseitert? So funktioniert das einfach nicht.

Und ja, ein moderater Islam ohne weltlichen Herrschaftsanspruch, ohne religiöse Intoleranz, ohne Frauenfeindlichkeit, Schwulenhass und Antisemitismus, ohne Ehrenmorde, Zwangsheiraten und Kinderhochzeiten, Terrorismus, Scharia, Polygamie und dem ganzen Firlefanz… der könnte schon zu Deutschland gehören. Über den müssten wir dann ebenso wenig reden wie über Buddhismus oder Druidentum. Und darin liegt auch die eigentliche Antwort. Wir müssen ständig drüber reden. Warum nur?

[1] https://www.ksta.de/kultur/kolumne-von-juergen-domian-nicht-mehr-mein-land–meine-heimat-30056554