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Der Nationalsozialismus gehört zu Deutschland. Oder so.

Wenn die WELT zu einem abwegigen Gedankenexperiment einlädt, riskiert sie freilich, dass auch ich in den Keller gehe und mit dem verstaubten Chemiebaukasten wieder zum Vorschein komme. Wollen wir mal reinschauen? Vermutlich nicht. Mir doch egal.

Eine Distanzierung gleich vorweg, damit niemand auf falsche Ideen kommt: Natürlich gehört Seehofer genauso zur Regierung (inzwischen) wie die WELT zur deutschen Presselandschaft (noch). Und auch wenn die beiden gelegentlich etwas Wahres und Richtiges sagen — das hindert mich aber keineswegs daran, sie als ideologische Fremdkörper zu betrachten, die hoffentlich bald rauseitern (wieder). Wie dem auch sei, kommen wir zum Versuchsaufbau:

»Was aber wäre, wenn der Innenminister der gerade neu ins Amt gekommenen Staatsregierung dieses demokratischen Landes sagen würde: ›Der Nationalsozialismus gehört nicht dazu. Die Nazis aber schon.‹ Im Ausland, gerade im faschistisch geprägten, würde dieser Satz als Drohung aufgefasst, die höchstwahrscheinlich mit großen Bedenken kommentiert würde. Im Inland würde sich mancher Nazi fragen, ob er denn durch diesen Politiker tatsächlich repräsentiert wird. Wenn sich dieser dann auch noch ›Heimatminister‹ nennt, könnte das in den Ohren jener Nazis wie Hohn klingen.«

Ja. Vermutlich schon. Und?

Ich kann jetzt nicht ausschließen, dass beim Zitieren irgendetwas schiefgelaufen ist. Das Beispiel macht trotzdem total Sinn. Schließlich dürfen wir die gesellschaftliche Spaltung nicht vorantreiben, es sollen sich hier alle gleichmäßig wohlfühlen, richtig? Auch gewalttätige Spinner, Antisemiten, Frauenhasser, Homophobe, Kinderficker, Terroristen, normale Kriminelle und intolerante Psychopathen, die der ganzen Welt ihren kranken Stempel aufdrücken wollen. Wozu leider alle Andersdenkenden sich entweder unterwerfen oder eben… was war das noch gleich… oh richtig, sterben müssen. Tja.

Das hat jetzt freilich nichts mit dem Islam zu tun. Nicht, dass hier einer auf dumme Ideen kommt. Die Religion des Friedens, der Toleranz und Liebe gehört natürlich zu Deutschland. Vielleicht nicht schon immer, aber nun ist sie halt auch da. Überhaupt müssen wir alle lernen, viel mehr zu differenzieren. Es gibt auch, um mal bei dem obigen Experiment zu bleiben, nette Nazis. Zumindest in Teilaspekten. Hitler beispielsweise war total tierlieb und hat schöne Postkarten gemalt. Oder, wie die WELT ausrutschen würde:

»Aber die Nazis sind ›inzwischen‹ eben in großer Zahl da und prägen in mancherlei Hinsicht das Land, mal im Guten, mal im Schlechten. Das Wort ›inzwischen‹ steht dafür, dass Deutschland auch Nazis Heimat sein kann und sein muss. Der Heimatminister trägt für sie nicht weniger Verantwortung als für die Deutschen mit CSU‐Parteibuch.« [1]

Das hat jetzt natürlich auch nichts mit dem Islam zu tun, fühlt sich aber »inzwischen« trotzdem aus unerfindlichen Gründen irgendwie falsch an. Und bevor sich jetzt irgendein Nazi auf den Schlips getreten fühlt: Pech gehabt, hättest Du das mal rechtzeitig als Religion angemeldet! Hinterher ist man freilich immer klüger. Wichtig als Merkhilfe für alle anderen ist jedenfalls: Man darf diese Themen nicht absichtlich oder fahrlässig vermengen. Es macht schon einen Unterschied, ob jemand regelmäßig Israel und alle darin befindlichen Juden von der Landkarte radieren will oder… Hm. Vielleicht anders. Kennste den schon:

»Zwei Jugendliche aus dem Nahen Osten geraten in der Krefelder Innenstadt in Streit. Plötzlich zückt einer der beiden ein Messer und sticht zu. Es ging wohl um die richtige Auslegung des Islam.« [2]

Warum der Artikel, aus dem dieses Zitat stammt, ausgerechnet unter dem Beitrag verlinkt wurde, um den es hier geht, kann man nur spekulieren. Schließlich hat er nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun. Vielleicht sind die Algorithmen der WELT schlichtweg überfordert. Oder wurden von russischen Hackern manipuliert. Der interessante Punkt ist: So haben wir früher bei uns auch religiöse Probleme gelöst. Nicht immer alles in sich reinfressen und rumlabern, einfach auch mal zustechen! Das ist irgendwie, wenn man lange genug in der Mittagssonne sitzt, auch Heimat, ja geradezu urdeutsche Traditionspflege.

Kein Wunder, dass die alle zu uns wollen und wir gar nicht genug von denen bekommen können…

[1] https://www.welt.de/debatte/kommentare/article174610866/Islam-in-Deutschland-Seehofer-muss-aufhoeren-nur-als-CSU-Chef-zu-sprechen.html
[2] https://www.welt.de/vermischtes/article174166923/Streit-ueber-Glauben-16-Jaehriger-sticht-14-Jaehrigem-Messer-in-den-Bauch.html