Migrationsforscher: Was den Deutschen wirklich fehlt…

Migrationsforscher: Was den Deutschen wirklich fehlt…

»Der ›Migrationsforscher‹ Rass« (toller Name!) »bewertet die Integration von Flüchtlingen hierzulande als Erfolgsgeschichte. Trotzdem werde Zuwanderung oft mit Konflikten assoziiert. Den Deutschen fehle Selbstbewusstsein und Gelassenheit«, druckt die WELT widerspruchslos ab. [1] Man würde annehmen, dass langsam auch der letzte Ignorant von der Realität geerdet wurde, aber nein. Der Nachschub an Forschungsobjekten darf natürlich nicht abreißen.

»Die Integration der Flüchtlinge in Deutschland seit 2015 lässt sich nach Ansicht des Osnabrücker Migrationsforschers Christoph Rass als Erfolgsgeschichte lesen.«

Okay, kann man machen. Man kann seinen Kindern zum Einschlafen auch die Todesanzeigen aus der Zeitung vorlesen. Oder das Telefonbuch. Ob das zielführend ist, sei mal dahingestellt. Wenn sich so eine »Erfolgsgeschichte« liest, wie klingt dann erst eine Horrorgeschichte?

»In relativ kurzer Zeit hätten Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft es geschafft, Strukturen zur Unterbringung und Versorgung, zur Sprachvermittlung oder zur Integration in den Arbeitsmarkt aufzubauen, sagte Rass. Dennoch würden Flucht und Zuwanderung noch immer mit Problemen und Konflikten assoziiert.«

Seltsam, oder? Offensichtlich sind die Deutschen mit dem Zustrom von Ärzten, Ingenieuren und Wissenschaftlern heillos überfordert. Hunderte leerstehende Fabriken konnten durch den Einsatz zugeflohener Facharbeiter wieder geöffnet werden, couragierte Neubürger kämpfen tagsüber für Frauenrechte und bewachen nachts unsere Grünanlagen. Und was ist der Dank? Nörgel, nörgel, nörgel! Dabei ist alles so schön:

»[…] ›Schauen wir uns doch um: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenquote ist historisch niedrig, unsere Gesellschaft ist so sicher wie nie. Und ganz nebenbei haben wir es auch noch geschafft, eine Million Flüchtlinge aufzunehmen‹, sagte der Migrationsforscher.«

Tatsächlich schauen sich nicht wenige Mitmenschen inzwischen öfter mal um. Natürlich nicht, weil dort einer mit ’nem Ziegelstein oder Messer in der Hand stehen könnte. Einfach nur so. Um sich zu vergewissern, ob die Gesellschaft immer noch so sicher ist wie nie. Viele Frauen joggen inzwischen sogar lieber in Gruppen — nicht, weil die Polizei das empfiehlt (warum auch immer), sondern weil sie sich dann gemeinsam über das neue Sicherheitsgefühl austauschen können.

»Deutschland könnte also mit viel mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit an die weiteren Aufgaben und Herausforderungen der Integration herangehen. ›Und uns bleibt ja heute auch keine Wahl: Wir müssen die Aufgaben bewältigen. Es ist nur die Frage, ob wir das mit Selbstvertrauen oder angstbesetzt tun wollen‹, sagte Rass am Rande einer Tagung in Hannover.«

Ich will jetzt nicht undankbar erscheinen, aber es gibt theoretisch noch eine dritte Wahlmöglichkeit: Wir könnten es auch einfach ganz bleiben lassen! Nur mal so als Idee. Weil, genau genommen müssen wir gar nix. Aber wenn es jetzt unbedingt etwas Positives sein muss: Auch eine Grenze kann man selbstbewusst und gelassen schützen.

»Aus einer selbstbewussten Haltung heraus sei es leichter, Zuwanderer auf die Einhaltung hier geltender Regeln und Gesetze hinzuweisen und gleichzeitig die Gesellschaft für sie zu öffnen. ›Wir sollten das nicht als Kampf der Kulturen begreifen, sondern als Aushandlungsprozess.‹ «

Tja, da spricht offenbar einer, der wohl eher selten »Zuwanderer« auf die Einhaltung unserer Regeln und Gesetze hinweist. Ich würde ihm auch dringend davon abraten. Es sei denn, er hätte eh eine komplette Zahnsanierung eingeplant. Im Übrigen ist es mittlerweile recht schwer, irgendwem mit dem Rechtsstaat zu kommen in einem Land, in dem »Recht« eigentlich nur noch als Vorsilbe von »sextrem« herhalten muss.

»Ein Blick in die eigene Vergangenheit könnte Gesellschaften darüber aufklären, dass Migration der Normalfall sei, sagte der Professor für historische Migrationsforschung. Nur wenige Familien blieben nämlich auch in Deutschland über Generationen an ein und demselben Ort.«

Ach was! Und sowas kann man studieren? Toll. Aber er hat ja recht: Wer erinnert sich nicht daran, welche Herausforderungen das mit sich brachte? Bayernbanden, die nachts Hamburg grapschend und plündernd unsicher machten. Friesen, die in Berliner Parks am hellichten Tag mit Heringen dealten. Düsseldorfer, die beim Karneval in Köln unangenehm aufgefallen sind. Weil sie das falsche Bier bestellten. Und erst die Sachsen. Hör mir uff! Wie sie Grillhähnchen‐Stände mit ihren bizarren Essenswünschen quälten und immerzu »Broiler« bestellten… Und, hat uns das geschadet? Eben.

»Flucht und Vertreibung, Arbeits‐, Bildungs‐ oder Heiratsmobilität, aber auch Armutswanderung fänden sich an der ein oder anderen Stelle in den meisten Familiengeschichten: ›Es klingt banal: Wir sind alle immer wieder unterwegs, wandern ab oder zu. Aber wir machen uns diese Tatsache zu selten bewusst.‹ «

Stimmt. Weil es tatsächlich völlig banal und irrelevant ist. Weil es selbst in den Fällen außergewöhnlicher Wanderungsgeschichten von weit her sprichwörtlich »nicht der Rede wert ist«, wenn sie am Ende hier tatsächlich auch gedanklich angekommen sind. Hat jemand ernsthaft ein Problem mit Akif Pirinçci, Leyla Bilge, Hamed Abdel‐Samad, Imad Karim, oder Laleh Hadjimohamadvali? Ich nicht.

»Diese Einsicht könnte helfen, die Integration der Flüchtlinge im weiteren Verlauf nicht mehr nur technokratisch als Spracherwerb oder Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu verstehen, erläuterte Rass: ›Jetzt geht es tatsächlich um ein Zusammenleben, darum, sich gegenseitig wahrzunehmen als Partner, die gemeinsam eine zunehmend diverse Gesellschaft gestalten.‹ «

Nö. Wozu auch? Die Gesellschaft ist schon »divers« genug. Wer es noch bunter will, kann ja in den Urlaub fahren oder auswandern. Die Grenzen sind schließlich in beide Richtungen offen! Und bevor ich auch nur in Erwägung ziehe, jemanden als »Partner« wahrzunehmen, der sich ungefragt entschlossen hat, unbedingt auch hier wohnen zu wollen, erwarte ich Respekt, Integration, Sprachkenntnisse und Lernbereitschaft. Mit dem vorrangigen Ziel, bei uns so wenig wie irgend möglich negativ aufzufallen. Oder überhaupt.

Ich erwarte, dass der potentiell neuen Wahlheimat Dankbarkeit, Liebe und voller Einsatz entgegen gebracht wird, sofern sie mit der Ansiedlung einverstanden ist. Vorher gibt es keinerlei Verhandlungsbasis. Leute, die meinen, dass sie hier den Max machen können und mit ihrem Benehmen, ihrem inkompatiblen Rechtsverständnis oder durch ständige Forderungen anecken, kann ich nur die Worte des »Migrationsforschers« an Herz legen: »Wir sind alle immer wieder unterwegs, wandern ab oder zu.« — Wandert einfach weiter! Arschlöcher haben wir hier auch so schon genug.

Ich habe keine Ahnung, was so ein »Migrationsforscher« lernt, um sich so nennen zu dürfen, aber wenn er schon den Unterschied zwischen »Flüchtlingen« und »Migranten« nicht versteht, wird mir ganz anders…

[1] https://www.welt.de/politik/deutschland/article173044461/Fluechtlinge-Forscher-kritisiert-Migrationsverstaendnis-der-Deutschen.html

Sina Lorenz

Patriotische Libertäre mit Tendenz zu geistigen Amokläufen.
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