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Schwarze Horden plündern H&M

Pavian-Party bei H&M. Foto: Alex Mitchell / Twitter.

»Die Aufregung um einen schwarzen Jungen in einem Pullover mit Affen-Schriftzug eskaliert in Südafrika. Einige Demonstranten drangen in H&M-Läden ein, verwüsteten sie zum Teil und stahlen Gegenstände. Sie werfen dem Konzern Rassismus vor«, berichtet die WELT. [1] Was nicht einer gewissen Tragikomik entbehrt, wenn man sowohl die Umstände, als auch die dümmlich-naive Berichterstattung dieser mittlerweile von bedrucktem Klopapier kaum noch zu unterscheidenden Zeitung betrachtet.

So wird beispielsweise völlig unkritisch der linksextreme Rassist und Parteichef der EFF, Julius Malema, mit den Worten zitiert, in ganz Südafrika seien »H&M-Läden geschlossen, weil sie unsere Kinder Paviane genannt haben.« Völlig die Tatsachen ignorierend, dass weder H&M, noch sonst irgendwer (außer ihm selbst) »ihre Kinder« (oder wessen auch immer) als »Paviane« bezeichnet hat — und dass die betroffenen Läden geschlossen sind, weil sie jetzt aussehen, als hätten dort sturzbetrunkene Paviane ihren Junggesellenabschied gefeiert.

»In mehreren H&M-Läden in Südafrika kam es am Samstag bei den Demonstrationen von EFF-Unterstützern zu Zwischenfällen. […] In einem Video von eNCA waren umgeschmissene Schaufensterpuppen und Kleidständer, kaputte Spiegel und am Boden liegende Kleidungsstücke in einem Laden zu sehen«, berichtet die WELT weiter. »Bilder der Nachrichtenseite News24 zeigten Demonstranten, die Schilder mit der Aufschrift ›Hass und Rassismus haben keinen Platz in diesem demokratischen Land‹ hochhielten.«

Blöd halt nur, dass in der »Regenbogen-Nation« am Kap durchaus mehr als nur ein bisschen Platz für Hass und Rassismus ist. Gern auch eifrig befeuert von… Julius Malema und seiner EFF. Malema, vom SPIEGEL einst zutreffend als »Experte für Rassenhass« bezeichnet [2], der sich deshalb bereits wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten musste, kann man sich wie eine südafrikanische Claudia Roth vorstellen, die versehentlich übers Wochenende im Solarium vergessen wurde.

Weniger hässlich vielleicht, zumindest äußerlich, aber ebenso vom Hass auf die einheimische weiße Bevölkerung zerfressen, setzt er rhetorisch dort an, wo sie immerhin öffentlich lieber die Klappe hält. Seine Forderung nach einer entschädigunglosen Enteignung der Weißen gehört dabei noch zu den harmloseren Vorstellungen, auch wenn die Ermunterung zur unbürokratischen Eigeninitiative (»Wenn ihr ein schönes Stück Land seht, nehmt es euch«) [3] von seinen Anhängern immer wieder mal wörtlich genommen wird.

Da auf diesem Land bereits Menschen leben, die diesem Anliegen eher skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen, müssen die natürlich vorher entfernt werden: Mit Songs wie »Shoot the Boer« (Tötet die Buren) pflegt Malema leidenschaftlich gern emotionales Liedgut. Notgedrungen mittlerweile im Nachbarland Simbabwe (der einstmaligen »Kornkammer Afrikas« Rhodesien), wo derartige Pläne bereits erfolgreich bis zur Hungersnot umgesetzt wurden. Die Idee, ausgerechnet jene Menschen zu entsorgen, die nicht nur wissen, wie man Nahrung produziert, sondern es tatsächlich auch tun, gehört traditionell eher zu den weniger hilfreichen.

Die friedliche Verwüstung von H&M-Filialen im »Kampf gegen Hass und Rassismus« ist angesichts der zunehmenden Gewalt in Südafrika eine geradezu heitere Episode. Bereits im dritten Jahr in Folge steigt die Zahl der sogenannten »Farmmorde« weiter dramatisch an, für 2016/2017 um 27,5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. [4] Dass es sich dabei nicht »nur« um Landnahmen oder »außer Kontrolle geratene Raubüberfälle« handelt, wie das in offiziellen Berichten gern beschönigend umschrieben wird, belegen die teils stundenlangen barbarischen Folterungen und Vergewaltigungen der Opfer.

Unnütz zu erwähnen, dass dies den westlichen Mainstreammedien kaum eine Erwähnung wert ist. Weder Opfer noch Täter passen in das sorgsam gepflegte Freund-Feind-Schema und die Erzählung vom armen unterdrückten Schwarzen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als einfach nur mit seinen blassen Brüdern und Schwestern auf einem pinken Einhorn in den Sonnenuntergang zu reiten. Leider ist im Regenbogen kein Platz für die Farbe Weiß. Somit hat sich Südafrika nicht nur bei mir einen Ehrenplatz unter den Schwerpunkt-Themen für 2018 erarbeitet. Ein Platz, wo man wirklich nicht gerne landen möchte. Ehrlich.

»Maar die hart van ›n Boer lê dieper en wyer, hulle gaan dit nog sien.«

[1] https://www.welt.de/wirtschaft/article172452492/H-M-schliesst-alle-Laeden-in-Suedafrika-wegen-Anti-Rassismus-Demos.html
[2] http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedafrikas-nachwuchspolitiker-malema-experte-fuer-rassenhass-a-783987.html
[3] http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedafrika-julius-malema-ruft-zur-enteignung-von-weissen-auf-a-1121213.html
[4] http://www.politicsweb.co.za/documents/huge-increase-in-farm-murders-in-201617–pieter-gr