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Jan 04 2018

Kennste den schon: Treffen sich zwei Rassisten…

„Im Vergleich zu Prag oder Budapest ist Berlin eine schwarze Stadt. Grüßt mich heute ein anderer weißer Mann, verhalte ich mich nach diesen diversen negativen Erlebnissen viel solidarischer mit meinen Brüdern“, beklagt sich Jens Maier im Interview. Woraufhin Noah Becker auf Twitter ausrastet: „Dem kleinen Vollweißbrot scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.“

Die Reaktion darauf? Natürlich stürmischer Beifall, positive Pressemeldungen, Zuspruch, vielleicht sogar eine Einladung ins Kanzleramt für so viel „Zivilcourage“. Da hat dem ollen Hetzer aber mal so richtig einer gezeigt, wo der Barthel den Most holt, Klasse! Es folgt eine mehrwöchige Traumatherapie in diversen Talkshows und falls noch ein Bundesverdienstkreuz übrig ist, könnte man doch…

So ist das freilich nicht passiert. Es war genau anders herum. Vereinfacht gesagt: Ein mutmaßlicher Rassist pöbelt einen anderen mutmaßlichen Rassisten aufgrund einer definitiv rassistischen Äußerung blöd von der Seite an und die Welt steht Kopf. Einer von beiden sitzt für die AfD im Bundestag und der andere nicht. Einer von beiden kann sich so einen Spruch locker leisten, der andere nicht. So einfach ist das.

Man kann dieses Spiel durch demonstrative Passivität in einer starren Opferhierarchie bestenfalls nicht verlieren, niemals aber durch eine ebenso unschöne Gegenreaktion gewinnen. Hat deshalb einer von beiden jetzt pauschal Recht oder Unrecht? Schwer zu sagen. Wirklich höflich ist die Anrede „kleiner Halbneger“ jedenfalls nicht. 186 cm ist schließlich NICHT klein! Ob man als MdB über jedes hingehaltene Stöckchen eines zickigen C-Promis springen muss, wäre abgesehen davon auch noch so eine Frage. Noah Becker kannte ich bis vorhin nicht mal, insofern Glückwunsch zu diesem gelungenen PR-Stunt!

Ich bin sicher die Letzte, die hier altkluge Ratschläge geben sollte, was gutes Benehmen angeht, aber gerade weil das so ist, mache ich es einfach trotzdem: Das war nicht hilfreich! Wirklich nicht. Da fühlt sich einer in seiner Stadt ethnisch in der Minderheit, dabei zunehmend unwohl und grüßt daher euphorisch wildfremde Leute, die zufällig ähnlich pigmentiert sind wie er. Weil alle Menschen gleich sind. Also außer die, die halt anders aussehen, als man selbst; die sind nicht so grußwürdig und gleich gar keine „Brüder“ (und „Schwestern!“). Oder so…

Hey, damit hätte man arbeiten können. Aber doch nicht mit so einem Gruß! So leicht lässt sich eine erstklassige Steilvorlage in ein Eigentor verwandeln. Was der schräge Becker-Spross da andeutet, ist nicht weniger als der Wunsch nach einer ethnischen Umgestaltung Berlins oder eben aller Städte, in denen er zu wohnen beliebt. Ich wage mir gar nicht den Shitstorm auszumalen, wenn Jens Maier oder sonstwer zu Protokoll gegeben hätte, dass ihm Berlin „zu schwarz“ ist. Und ich kenne einige Menschen, denen es da mittlerweile zu bunt wird. Was noch zusätzlich dadurch erschwert wird, dass sie selbst einen „Migrationshintergrund“ haben. Egal.

Es hätte der Anstoß für die längst überfällige Debatte bezüglich des, weltweit übrigens, zunehmenden anti-weißen Rassismus (siehe „Köterrasse“) und schriller werdender antideutscher Ressentiments sein können; aber diese Chance wurde nun möglicherweise leichtfertig vertan. Schade drum, denn diese Diskussion werden wir führen müssen, gern auch mit Herrn Becker und seinen Blutsbrüdern. Sagt man das so unter Negern? Oder waren das die Indianer… Wie dem auch sei, das wird nun schwierig, ohne dass Herr Maier vorher glaubwürdig unter die Räder kommt.

Jetzt ist jedenfalls wieder alles schön so sortiert, wie es der politische Gegner und seine Presse gerne hätten: Auf der einen Seite ein harmloser Bürger, der sich einfach nur nichts sehnlicher wünscht, als dass mehr Mitmenschen in seiner Nachbarschaft so aussehen wie er. Weil er die halt lieber grüßt. Dabei wird er durch die verstörenden Äußerungen eines Rassisten aus seinen Träumen gerissen! Ja, und dann ist da auf der anderen Seite auch noch Jens Maier. Leute, das ist echt verwirrend, ehrlich gesagt.