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Schöne Bescherung: Sicher und legal.

Handverlesen: Kleine Kinder, Kranke und Senioren. Foto: AFP / ZEIT

Wer jetzt schon so richtig in Weihnachtsstimmung ist, sollte besser die Gans anschnallen: »Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR hat 162 Personen aus einem Flüchtlingslager in Libyen nach Italien gebracht. Über einen sogenannten humanitären Korridor konnten die ›Flüchtlinge‹ am Freitagabend per Flugzeug einreisen«, berichtet die ZEIT. [1] Und das ist erst der Auftakt. Tausende weitere sollen und werden folgen.

Nachdem Italien im Sommer mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen und nicht zuletzt auch unter dem Druck der Mission Defend Europe zunächst einen korrekten Grenzschutz antäuschte und in Zusammenarbeit mit Libyen das Schlepperunwesen bekämpfte, wurde unterdessen offenbar klammheimlich schon der nächste Coup ausgeheckt. Eine Luftkrücke. Pardon, Luftbrücke. »Sicher und legal«, heißt es. Zugegeben, die Gefahr in einem Flugzeug zu ertrinken, ist tatsächlich nicht besonders groß. »Legal« kann aber nur scherzhaft gemeint sein. So wie in… Koks auf der Bundestagstoilette?

»Das Flüchtlingshilfswerk hatte Berichten italienischer Medien zufolge besonders verletzliche Menschen – vor allem kleine Kinder, aber auch Kranke und Senioren – ausgewählt«, heißt es weiter in der ZEIT. Das ist sehr löblich. Zu schade, dass die niemand fotografiert hat. Man hätte notfalls auch auf den reichen Fundus an traurigen Glubschaugen- und Dackelblick-Kinderfotos aus den NGO-Archiven zurückgreifen können. Warum die Redaktion stattdessen ein Bild mit ausschließlich jungen Männern im wehrfähigen Alter ausgewählt hat, bleibt vermutlich ihr Geheimnis.

»Ursprünglich kommen die Migranten aus dem Jemen, Somalia, Eritrea und Äthiopien.« (behaupten sie) »Hilfsorganisationen hatten die Zustände in libyschen Flüchtlingscamps als inhuman bezeichnet.« — Moment, ich bin verwirrt. Migranten? Ich dachte, es waren »Flüchtlinge«? Und ja, besonders komfortabel sind die Auffanglager in Libyen nicht, an dem Punkt waren wir ja schon mal. Das ist aber kein Grund, die Insassen nach Europa auszufliegen. Das ergibt nicht mal Sinn, wenn man es gut meint. Für das Geld könnten wir sämtliche Lager samt Inhalt kaufen und vor Ort auf unbestimmte Zeit auf »Weltniveau« betreiben. Ernsthaft.

»Die Einreise der Migranten über den humanitären Korridor hatte das italienische Innenministerium gemeinsam mit der nationalen Bischofskonferenz organisiert. Geplant sei, auf diese Weise Tausende ›Flüchtlinge‹ aus Libyen nach Italien zu bringen.« — Was denn nun, Migranten oder »Flüchtlinge«? Na ja, im Grunde auch egal, halten wir mal fest: Der Zustrom reißt also nicht ab. Es gibt jetzt nur keine unschönen Bilder mehr, die Schlepper-Route wurde mit staatlicher Hilfe über die Wolken verlegt. Quasi näher an Gott. Da geht einem handelsüblichen Bischof schon mal so richtig einer ab.

»Italiens Innenminister Marco Minniti sprach von einem ›historischen Moment‹: Erstmals sei ein humanitärer Korridor geöffnet worden, um Menschen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus aus der Illegalität zu holen. Auch der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, betonte, humanitäre Korridore seien ein Weg, um legal viele unschuldige Menschen zu retten.«

Okay. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. In welcher »Illegalität«, aus der man sie holen müsste, könnten »anerkannte Flüchtlinge« denn stecken? Und wer hat sie wo nach welchen Kriterien als solche anerkannt? Haben die in Libyen einen Asylantrag gestellt? Wenn sie das haben und als Asylanten anerkannt wurden, warum landen sie dann in libyschen Abschiebelagern? Dort befinden sich praktisch ausschließlich illegal Eingereiste, die auf ihrem Weg nach Europa aufgegriffen wurden und auf ein (von Libyen bezahltes) Flugticket in ihre Herkunftsländer warten. Also nicht Italien.

Jetzt fragt man sich natürlich: Grundgütiger, warum machen die denn sowas? Klar, es sind Bischöfe beteiligt, das schließt gesunden Menschenverstand praktisch von vornherein aus, aber das Problem ist dann doch etwas komplexer: Zum Einen wird es nicht »legaler« dadurch, dass eine Regierung illegale Migration legalisiert, zum Anderen geht es natürlich eigentlich darum: »Die Idee eines humanitären Korridors beinhaltet neben einer sicheren und legalen Einreise eine längerfristige Begleitung der ›Flüchtlinge‹. So soll die Integration erleichtert werden.«

Integration. In was? Wieso längerfristig? Woher wissen die italienischen Bischöfe und das Innenministerium in Rom, dass sich die Lage in den vermeintlichen Herkunftsländern der Flü…Migranten nicht kurzfristig verbessert? Könnte doch passieren. Kann man das ausschließen? Ich würde denen dort Beine machen, bis der Laden wieder brummt. Aber mich fragt ja keiner.

»Italiens Bischöfe und die Regierung in Rom hatten sich dazu im Januar auf ein Abkommen verständigt, das auf zwei Jahre ausgelegt sein soll. Finanziert werden soll die Aufnahme der Flüchtlinge demnach aus Kirchensteuermitteln.«

Dieser Punkt ist wichtig. Gebt mir mal ein Handzeichen — wer von den Anwesenden glaubt, dass die Kirche ihre Goldstücke nach Ablauf der zwei Jahre wieder auf eigene Kosten ausfliegt? Ich warte. Kommt schon, keiner? Gut, ich auch nicht. Immerhin, Glück im Unglück, ein starkes Argument für die »Demonetarisierung« der Kirchen. Geht mal in euch, liebe Christen, braucht ihr wirklich eine der großen Amtskirchen für euren Glauben? Das Jahresende ist ein guter Zeitpunkt für einen Anbieterwechsel.

»Auch Papst Franziskus soll das Engagement für ›Flüchtlinge‹ gewürdigt haben: Die humanitären Korridore seien ›ein Vorbild nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa‹.« — Kann ich mir lebhaft vorstellen. Irgendwie war mir die Kirche sympathischer, als sie geholfen hat, andere Länder zu kolonisieren. Ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass wir nun kolonisiert werden. Soll das so? Hoffen wir mal, dass Gott das Engagement von Papst Franziskus angemessen würdigt und eine Beförderung in Erwägung zieht.

Übrigens, damit das nicht so lustig endet, noch ein paar Fake-News zum Abschluss: »Nach Schätzungen des UNHCR werden derzeit rund 18.000 Menschen in Lagern in Libyen festgehalten. Im kommenden Jahr plant das Flüchtlingshilfswerk, bis zu 10.000 der Flüchtlinge aus den Camps zu holen. Die Zahl der Migranten, die eigenständig nach Italien kommen, ist nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters seit Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Drittel gesunken.«

Um das richtig einordnen zu können, und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Die Menschen werden in diesen Camps »festgehalten«, weil sie illegal nach Libyen eingereist sind und/oder bei irgendwelchem illegalen Murks erwischt wurden. Sie warten dort auf ihr Heimflugticket, das sie von Libyen geschenkt bekommen.

Ja, es ist kein Zuckerschlecken, die Hygiene ist mangelhaft, es kommt auch immer wieder zu Gewalt. Die meisten wirken sehr glücklich, wenn es wieder Richtung Heimat geht. Weil man sie »wie Sklaven behandelt« hat. Wohlgemerkt, behandelt, nicht gehandelt. Und »wie« Sklaven. Arbeiten muss da keiner. Was ja eigentlich der ganze Witz an der Sklaverei ist. Aber gut… bzw. nicht gut.

Die Zahl der Flüchtigranten, die eigenständig nach Italien kommt, ist also um zwei Drittel gesunken. Offenbar errichtet nicht nur Italien derzeit eine Luftbrücke nach Europa, um denen auf die Sprünge zu helfen, die es nicht eigenständig schaffen. 1A Pullfaktor, großes Kino, jetzt wird natürlich der große Ansturm auf die Lager einsetzen, durch den die Hunderttausenden illegalen Migranten in Libyen sich in eine Lage begeben, aus der sie das UNHCR »retten« muss (also wir).

Wieso müssen die überhaupt auf Teufel komm raus alle nach Europa? Fliegt sie doch nach Peking, die Chinesen können sich auch mal um die Folgen ihrer afrikanischen Kolonialpolitik kümmern! Kommt mir das nur so vor, oder ist das jetzt alles noch schlimmer als die bisherige, dilettantische Schlepperei? Weil, wenn jetzt unsere Regierungen die illegale Migration legalisieren und den Transport selbst übernehmen… Wie genau soll man das noch legal bekämpfen, ohne selbst illegal zu werden?

[1] http://www.zeit.de/politik/ausland/2017–12/italien-rom-fluechtlinge-unhcr-flugkorridor-libyien