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Nov 17 2017

Der Rassist im Spiegel

Unter der selten dämlichen Überschrift „(Trotz rassistischer Tweets) So schwer wird man einen Professor los“ ist dem SPIEGEL mal wieder ein neuer Rekord beim journalistischen Niveaulimbo geglückt. Und nein, das ist kein Kompliment. Dieser schöne Freitag steht also unter dem Motto Rassismus — oder was man grad dafür hält.

Die meisten Trends, ob einem das passt oder nicht, schwappen mit ein paar Jahren Verzögerung zuverlässig über den großen Teich. So war es auch nur eine Frage der Zeit, bis die altehrwürdige deutsche Hochschullandschaft, die sogar irgendwie (mehr oder weniger) unbeschadet ’68 überstanden hat, langsam aber sicher in der Gender- und Rassen-Gaga-Hysterie absäuft. Das sieht dann beispielsweise so aus:

„Die Universität Leipzig hat Untersuchungen gegen einen Professor eingeleitet und prüft dienstrechtliche Schritte gegen ihn. Der Grund: Der Jurist Thomas Rauscher hatte auf seinem privaten Twitteraccount mehrfach rassistische Tweets veröffentlicht. Darin warf er beispielsweise Afrikanern und Arabern ungehemmte Vermehrung vor und sprach sich für ein ‚weißes Europa‘ aus. […] In einem Pressestatement erklärte er, das ‚weiße Europa‘, von dem er sprach, sei nicht Ausdruck von Rassismus, sondern eine ‚Chiffre für die durch Christentum, europäische Kultur und Tradition und, ja, auch dies, Menschen weißer Hautfarbe geprägte europäische Identität‘.“ [1]

Und, weiter?

Ich verstehe nicht mal das Problem. Es wird ja wohl kaum jemand bezweifeln, dass Europa „weiß“ geprägt ist. Was passiert eigentlich, wenn ein Professor im Kongo über ein „schwarzes Afrika“ twittert? Ist das auch „rassistisch“? Davon mal abgesehen: Wenn sich Afrikaner und Araber NICHT hemmungslos vermehren (seine Wortwahl, laut Spiegel), dann wüßte ich gern, warum sich die Bevölkerung Afrikas bis 2050 auf mehr als zwei Milliarden Menschen verdoppelt. Ohne Vermehrung. Ich bin da für jede Erklärung offen. Klont die jemand? Und wenn ja, warum?

Da wir uns hier auf dem rutschigen Boden des Faktischen bewegen, ist zum Glück die Universität rechtzeitig eingeschritten und… „reagierte empört auf die Tweets und teilte mit: ‚Die Universität Leipzig verurteilt die neuerlichen Äußerungen von Professor Rauscher ausdrücklich. Wir stehen für Weltoffenheit und Toleranz und stellen uns gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut.‘ “

Nu mal langsam. Das ergibt doch gar keinen Sinn. Wenn ich, beispielsweise, feststellen würde, dass sich Kaninchen hemmungslos vermehren (so man sie lässt), dann hasse ich ja deswegen nicht gleich den Osterhasen. Oder, wie wäre es mit… Nutrias? Ich habe nichts gegen Nutrias. Aber wir leben in einem kaninchengeprägten Europa. Das ist halt so. Damit kommt auch nicht unbedingt jeder klar [2], aber was ist an diesen Äußerungen per se „intolerant“ und „fremdenfeindlich“? Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass es die Uni Leipzig auch nicht so genau weiß, aber von ihren „Student*innen“ dahin geprügelt wurde. Vielleicht weiß es ja die LVZ:

„Für eine Stellungnahme stand Rauscher, der seit 1993 an der Uni lehrt, am Donnerstag nicht zur Verfügung. Dafür ging es bei seiner Vorlesung hoch her. Kommilitonen protestierten gegen ihn. In einem Aufruf hieß es, ‚zeigt Zivilcourage, bildet Lerngruppen und hört auf die Vorlesung von Professor Rauscher zu besuchen. Entziehen wir ihm hier an der Uni die Bühne, in der Hoffnung, dass er mit seinem Lehrstuhl genauso verfährt wie mit seinem gelöschten Twitter-Account.‘ “ [3]

Wer hätte das gedacht. Je mehr „Diversität“ von den wohlstandsverwahrlosten „Millenials“ eingefordert wird, desto eintöniger wird das zulässige Meinungsspektrum. Dass sich Studenten mal für weniger Freiheit einsetzen könnten, hätte ich mir zwar auch nicht vorstellen können aber, wie gesagt, es war leider seit einiger Zeit absehbar. Dem SPIEGEL dabei zuzusehen, wie er ihnen eifrig Beistand leistet und den restlichen Artikel lang darüber sinniert, wie man den unbequemen Sack verhungern lassen könnte, überrascht mich auch nicht mehr wirklich — ist aber ein ganz besonderer Treppenwitz der Geschichte.

Im Grunde könnte man darüber lachen (und, offen gestanden, ich tue es auch), andererseits ist diese Entwicklung wirklich gruslig. Wer genau soll eigentlich die zukünftige gesellschaftliche Elite ausbilden, wenn sich die Hochschulen derart widerstandslos vom wissenschaftlichen Parkett tragen lassen? Wird es noch Ärzte geben, die die entscheidenden zwei Geschlechter zweifelsfrei auseinander halten können und wie viele Sozialpädagogen braucht man eigentlich zum erfolgreichen Abschluss einer Mars-Mission?

Klingt auf jeden Fall nach einer guten Idee. Professoren „loswerden“. Bücher verbrennen. Hmm. Irgendwie fühlt sich der Übergang von der Informations- in die Gefühlsgesellschaft seltsam altmodisch an, aber das kann ja noch werden…

[1] http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/uni-leipzig-wie-schwer-es-ist-einen-professor-loszuwerden-a-1178293.html
[2] https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2017/11/05/kein-nager-ist-illegal-der-nutria-managementplan/
[3] http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Uni-Leipzig-Jura-Professor-twittert-vom-weissen-Europa-und-kommt-unter-Druck