«

»

Wer suchet, der findet: Rassismus!

»Es gibt Orte in Deutschland, um die Schwarze einen großen Bogen machen«, beginnt ein Artikel in der WELT [1], dessen Genuss ich schon nach dem ersten Bissen bereue. Das wird nach hinten losgehen, wie so oft. Es gibt übrigens auch Orte in Deutschland, um die Weiße einen großen Bogen machen.

»Und die Polizei kontrolliert hierzulande Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe«, erfahren wir weiter. Zwischen diesen beiden Informationen besteht natürlich keinerlei Zusammenhang. Oder man hat einfach vergessen, danach zu suchen.

Doch der Reihe nach. Wie kam es dazu? »Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen (UN). Diese reiste vergangene Woche quer durchs Land. […] Sie sollten auf Einladung der Bundesregierung die menschenrechtliche Lage von Menschen afrikanischer Abstammung aufzeigen.«

Dagegen spricht ja nichts. Ich wünsche mir nur manchmal, meine Regierung würde auch eine UN‐Expertengruppe einladen, welche die menschenrechtliche Lage von Menschen europäischer Abstammung aufzeigt. Hallo, wir sind auch noch hier!

»Dazu trafen sie nicht nur Mitarbeiter staatlicher Organisationen und von NGO’s, sondern auch Vertreter der afrikanischen Community.« Es heißt übrigens »NGOs«. Ohne Deppen‐Apostroph. Hach ja, damals. Als Artikel noch von ausgebildeten Journalisten geschrieben wurden…

Egal, ich schweife ab. Tja, praktisch, oder? Sie fragten also die staatlichen Organisationen und ihre privaten Helfershelfer, sowie deren hier angesiedelte Schützlinge, ob es ein Problem gibt. Sonst wohnt ja hier auch niemand weiter, den man AUCH fragen könnte.

»Obgleich das Grundgesetz Gleichheit garantiert, rassistische Diskriminierung verbietet und feststellt, dass die Menschenwürde unantastbar ist, wird dies in der Praxis nicht durchgesetzt«, erklärte die UN‐Expertengruppe. Ja, kann ich so bestätigen. Leider wird genau das zum Problem für mich: Ich bin nicht schwarz.

»In ihren Gesprächen hätten sie erfahren, dass vor allem Männer an einigen Orten große Angst hätten, wegen ihrer Herkunft attackiert zu werden.« Andere Länder, andere Sitten! Bei uns haben meist die Frauen Angst… Man hätte für den selben Erkenntnisgewinn übrigens auch eine beliebige Großstadt‐Schule besuchen können. Dort ist das inzwischen die Alltagserfahrung von Minderheiten. Also Deutschen.

»Neben Besuchen in mehreren Städten trafen sich die Experten in der vergangenen Woche auch mit Bundestagsabgeordneten und Vertretern der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD).«

Seufz…

»[…] ›Es ist gut, dass heute zumindest nicht mehr generell negiert wird, dass es hierzulande Rassismus gibt‹, sagte ISD‐Vorstandsmitglied Tahir Della.« Als hätte das jemand bestritten. Es gibt überall auf der Welt Rassismus. Ja, auch bei uns. Allerdings ist nicht zwangsläufig alles »Rassismus«, was damit betitelt wird. Beispielsweise:

»Auf der anderen Seite sei es eine große Belastung, dass Menschen afrikanischer Herkunft ›immer wieder neu erklären müssen‹, weshalb sie in Deutschland lebten und ob sie hier bleiben wollten.« Sowas nennt man »Neugierde«! So eine Frage habe ich anderenorts auch schon oft gehört, wenn ich optisch aufgefallen bin. Das ist normal. Rassismus wird es erst, wenn man DESHALB gehasst, fortgejagt oder umgebracht wird.

Ist das nicht grotesk, wenn ich mit einem Menschen, der scheinbar einen anderen ethnischen und/oder kulturellen Hintergrund hat, über das offensichtlich interessante Thema nicht reden darf, um jeglichen Rassismus‐Vorwurf zu vermeiden? Ist es nicht rassistisch, wenn ich mit Schwarzen nur noch übers Wetter rede?

»Die UN‐Vertreter spannten bei einer Pressekonferenz am Montag in Berlin einen weiten Bogen und zeigten allerlei Defizite auf: Die Polizei betreibe ›racial profiling‹, Straßennamen wie ›Mohrenstraße‹ seien rassistisch und beleidigend, und Menschen afrikanischer Abstammung könnten in Deutschland einige Orte nicht besuchen, weil sie dort um ihr Leben fürchten müssten.«

Das ist tatsächlich ein weiter Bogen. Geradezu überspannt. Ich bin immerhin froh, dass sie hier keine »Niggergasse« gefunden haben, das wäre tatsächlich peinlich gewesen. Mohrenstraße ist aber auch fies. Das wäre ja so, als würde irgendwer sein Essen nach uns benennen! Hamburger, Berliner, Frankfurter, Wiener »Würstchen«… unvorstellbar, grausam!

»In Deutschland existiere ein ›institutioneller Rassismus‹, es sei falsch, hier nur von ›Einzelfällen‹ zu sprechen.« Das predige ich nun schon wie lange? Aber ja, klar, »ich weiß« (sprichwörtlich!) — leider habe ich die falsche Hautfarbe, um in den Genuss einer UN‐Expertengruppe zu kommen…

»Durch die aktuelle Debatte über Flüchtlinge und Terrorgefahr seien außerdem einige Fortschritte der Vergangenheit wieder zunichtegemacht worden.« Nicht durch die Probleme mit einigen »Flüchtlingen« oder die von ihnen ausgehende Terrorgefahr, wohlgemerkt. Durch die Debatte darüber. Interessant.

»[…] ›Plötzlich war das racial profiling wieder in Ordnung‹, kritisierte Della. Unter ›racial profiling‹ versteht man Kontrollen, Ermittlungen oder Überwachungen, bei denen Menschen allein wegen ihres äußerlichen Erscheinungsbildes ins Visier der Polizei geraten.«

Klassischer Denkfehler. Sie geraten ja nicht »allein wegen« ihrer Erscheinung in Verdacht — DAS wäre rassistisch — sondern weil bereits »einige« Menschen mit ähnlicher Erscheinung äußerst unangenehm aufgefallen sind. Es macht keinen Sinn, einen Bus voller deutscher Rentner zu filzen; dort findet man bestenfalls noch Drogen, die sexuelle Übergriffe überhaupt erst ermöglichen würden. In der Theorie zumindest.

»Konkreter wollten die Menschenrechtsexperten auch auf Nachfrage nicht werden: ›Wir halten uns an eine vereinbarte Sprachregelung unserer Arbeitsgruppe‹, erklärte Ricardo Sunga.« Schade eigentlich. Ohne Fakten ist der Grat zur »Fake‐News« leider sehr schmal. Oder wird hier gar Rücksicht auf die Rassisten genommen? Wie nett.

»Man präsentiere nur einen vorläufigen Bericht. Der endgültige soll im September folgen.«, ergänzt er. Bleibt die spannende Frage: Vor oder nach der Bundestagswahl?

»Ein Dorn im Auge sind den UN‐Vertretern auch Röntgenuntersuchungen zur Altersfeststellung von straffällig gewordenen jungen Afrikanern. Die seien nicht 100‐prozentig sicher und würden auch bei jungen Menschen mit Pass oder Geburtsurkunden gegen deren Willen durchgeführt.«

Und? Dann sollen sie halt aufhören straffällig zu werden, über ihr Alter zu lügen und mit gefälschten Papieren (oder gar keinen) hier rumzurennen! Dann wird auch nix durchleuchtet. Problem gelöst! War ganz einfach, oder?

»Zudem werde Schülern mit afrikanischer Abstammung häufig der Zugang zu höherer Bildung verwehrt. Das wiederum gehe einher mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt.« Das halte ich für groben Unfug, ehrlich gesagt. Kann es aber mangels Fakten für diese Behauptung auch spontan nicht widerlegen.

»Die UN‐Vertreter haben bereits Lösungsansätze erarbeitet. Sie fordern unter anderem ›beleidigende Straßennamen‹ zu ersetzen, am besten durch Namen von Helden afrikanischer Abstammung.«

Das halte ich übrigens für eine tolle Idee! Lasst uns das überall machen, gegenseitig, siehe Speisekarte. Und ich prophezeie, spätestens wenn es in New York nur noch »Barbarossa‐Buletten im Brötchen« zu kaufen gibt, lässt die Umbenennungs‐Euphorie deutlich nach.

»Um besonders afrikanische Männer vor Kriminalisierung und ›racial profiling‹ zu schützen, sollen Beschwerdestellen auf Landes‐ und Bundesebene eingerichtet werden, empfiehlt die UN‐Arbeitsgruppe.«

Ob die Experten mal darüber nachgedacht haben, warum diese »Kriminalisierung« vor allem afrikanische Männer trifft und nicht Frauen? Vermutlich nicht. Am Ende ist es gar kein Rassismus, sondern Sexismus! Wer weiß.

»In Sachen Bildung fordern die Beobachter nicht nur, afrikanischstämmige Schüler vor Diskriminierung im Schulsystem zu schützen. Auch die durch Deutschland verursachten Tragödien auf dem afrikanischen Kontinent in der Kolonialzeit sollen im Unterricht mehr Platz einnehmen.«

Ich würde ja gern alle Schüler, egal welcher Abstammung, vor Diskriminierung schützen. Wäre das machbar? Und wenn wir schon dabei sind, erzählen wir doch gleich allen alles. Ist ja nicht so, dass sich Afrikaner für irgendwas schämen müssten. Sagen wir mal ihre Beteiligung am Sklavenhandel oder diverse Völkermorde in jüngerer Zeit…

»Zur Aufarbeitung dieser Geschichte – konkret des Völkermords an den Herero und Nama in Deutsch‐Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts – gehörten auch Gespräche über Reparationsleistungen, fordern die UN‐Vertreter.«

Und was soll das bringen, mit Schülern über Reparationsleistungen zu sprechen? Wollen sie denen das gleich vom Taschengeld abziehen? Viel Erfolg! Das haben meist schon ihre türkischen Mitschüler abgezogen…

Leute. Es gibt Tage, da weiß ich nicht weiter. Wenn ich Freunde »mit Migrationshintergrund« frage, ob ich vielleicht doch rassistisch bin, ohne es selbst zu merken, dann ernte ich nur Gelächter. Und die Frage, ob ich sonst keine echten Probleme habe. Das kann also nicht an mir liegen. Ich bin mir da relativ sicher, da ich ziemlich »farbenblind« bin. Ich hasse, wenn überhaupt, eigentlich alle Menschen gleichmäßig. Und ich weiß auch, dass es hier wie überall Deppen gibt, die tatsächlich Leute dafür vermöbeln, weil sie versehentlich »falsch« aussehen. Das geht natürlich nicht und muss hart bestraft werden. Aber Artikel wie dieser…

Vielleicht reagiere ich auch nur so sensibel darauf, weil ich zunehmend selbst von Rassismus betroffen bin. Einem »antiweißen« Rassismus! Mitten in Deutschland. Daran sind nicht die Schwarzen schuld, sondern die Roten und die Grünen.

[1] https://www.welt.de/politik/deutschland/article162426337/UN-Experten-werfen-Deutschland-institutionellen-Rassismus-vor.html