Zu Kurz gegriffen

Zu Kurz gegriffen

Italiens populäre Regierung wurde gescheitert, Österreich taumelt vermutlich »Schwarz-Grün« entgegen, Trump steckt schon seit Ankündigung seiner Kandidatur im Amtsenthebungsverfahren, die Briten bekommen auf Teufel komm raus ihren BrExit nicht und zu allem Überfluss hält der Öko-Kinderkreuzzug den öffentlichen Diskurs in Geiselhaft. Irgendetwas läuft gerade sehr, sehr falsch. Und zwar:

Wir sind einfach zu nett!

Das ist alles.

Nun gut, damit das nicht mein kürzester Artikel aller Zeiten wird, vielleicht noch ein paar Worte der Erläuterung dazu. Was haben all die oben angeführten Beispiele gemeinsam? (Abgesehen davon, dass sie zum selben übel riechenden Schluckauf der Geschichte gehören.)

Der demokratisch legitimierte Wählerwille — ob in Form einer neuen Regierung, eines politischen Kurswechsels oder einer grundsätzlichen Entscheidung — wird unter mysteriösen Begleitumständen gekippt und ins Gegenteil verkehrt. Das ist der Rote Faden. Der Rest ist Hokuspokus.

All die bekümmerten Analysen, die jetzt aus dem Boden schießen wie Unkraut, wer was wie wo zu wem gesagt oder getan hat oder auch nicht, und wie sich das in wieviel Prozent hoch oder runter… die gehen völlig am Thema vorbei. Ich unterstelle den Autoren beste Absichten, aber sie wollen das Wesentliche entweder nicht sehen oder nicht aussprechen.

Fair verlieren für Anfänger

Diese ganze globalistische, linksgrün versiffte Schickeria verhält sich heute exakt so, wie sie es vor ein-zwei Generationen vielleicht dem »US-Imperialismus« — mitunter gar nicht mal zu Unrecht — vorgeworfen hätte. Wer erinnert sich nicht wehmütig an all die »spontanen Regierungswechsel« in der Dritten Welt? Natürlich immer (meistens) für einen guten Zweck. Aber nicht wirklich musterdemokratisch.

Freilich hat die Gegenseite das ganz genauso gehandhabt. Weil man das so macht. Ob dafür aus heiterem Himmel eine Revolution ausbrechen muss, ob man zweifelhafte Diktatoren an die Macht putscht, ungehorsame Regierungen »lediglich« mit Sanktionen weich knetet oder irgendwelche lustigen Geschichten mit Sex, Drogen & Spenden aus dem Hut zaubert (hallo, Berlin und Brüssel!) — völlig egal, das Ergebnis zählt.

Wer die Gelegenheit und Mittel besitzt, nutzt sie. Ohne Rücksicht auf Verluste. So läuft das. Es gibt in der Politik keine Haltungsnoten für Anständigkeit. Der Trick ist, genügend Beweise für die Unanständigkeiten des Gegners zu haben und eine Öffentlichkeit zu erreichen, die das interessiert. Auf diesen entscheidenden Punkt komme ich gleich noch zu sprechen. Wer das nicht verstehen kann oder will, wird als fairer Verlierer von der Geschichte vergessen. Und das unerfreulich schnell.

Was man lernen kann (muss)

Beispielsweise: Es reicht nicht, gewählt zu werden. Man muss auch willens sein, die dadurch erlangte Macht unverzüglich nach Strich und Faden zu missgebrauchen! Ich weiß, das hört ihr nicht gern, ist aber so. Wie das geht, steht jeden Tag in der Zeitung. Entscheidend ist, dass der politische Gegner wirklich andere Sorgen als seine Unzufriedenheit mit dem Wahlergebnis haben sollte. Dafür reicht schon die tatsächliche Anwendung bestehender Gesetze in dem Sinne, für den sie erlassen wurden.

Ich weiß ehrlich nicht, ob es einen »ordentlichen« Weg gibt, den praktisch überall vorhandenen Tiefen Staat (vereinfach gesagt jene Angehörigen von Behörden, die gezielt gegen die neue Regierung arbeiten) effizient zu beseitigen. Das haben mit Hängen und Würgen gerade mal die übelsten Diktaturen geschafft. Wortwörtlich. Schön war das nicht. Vielleicht geht es ja auch anders, vielleicht geht es gar nicht. Wichtig ist, dass man es zumindest versucht.

Also das exakte Gegenteil von Österreich! Denn wie man es als Teil der Regierung fertig bringt, sich nicht nur die Distanzierung von der eigenen Wählerschaft abnötigen, sondern auch gleich noch für den Kampf gegen das eigene politische Vorfeld einspannen zu lassen… *schläfenmassier* Also wer ernsthaft glaubt, die FPÖ wurde vom Wähler abgestraft, weil der Strache so blöd war, sich dabei illegal filmen zu lassen, wie er von etwas phantasierte, dass er gar nicht getan hat und aufgrund der Umstände auch gar nicht tun konnte (beinahe schade eigentlich!) — dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Das Problem mit der Lufthoheit

Es ist im Grunde völlig wurscht, ob irgendeine patriotische Partei mit unbefleckter Weste oder sonst irgendwie ins Zentrum der Macht stürmt (wichtig: sie geht nie, sie stürmt oder marschiert immer nur dorthin, um diese dann zu ergreifen, Framing und so) — wenn sie nicht äußert geschickt im Tunnelbau ist, wird sie vom Gegner einfach platt gebombt. Spätestens dabei wird auch die weißeste Weste schmutzig. Diese Lufthoheit ist im politischen Kontext natürlich eine mediale Deutungshoheit. Der Effekt ist dennoch gleichermaßen verheerend.

Da man natürlich nicht einfach irgendwelche Zeitungen an russische Oligarchen verscherbeln kann, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, hilft zunächst nur die Besinnung auf den eigenen Jagdinstinkt. Denn instinktiv haben das gewisse Parteien, die ich jetzt nicht namentlich erwähnen werde, schon mal irgendwie besser drauf gehabt. Sehr viel besser. Der ganze Trick an der Sache ist eigentlich nur, diese Lufthoheit derart unerfreulich zu gestalten, dass sie dem Inhaber weder Freude bereitet, geschweige denn Nutzen bringt. Der Weg dahin besteht aus unablässigen, schmerzhaften Nadelstichen. (Wer das genauer wissen will: bei Bedarf einfach mal »Afghanistan« googeln!)

Politisch bedeutet es, dass man dem Gegner niemals das gibt, was er will. Also wenn man jetzt, rein fiktiv, beispielsweise als Bundessprecher in einem beliebigen Sommer‑, Herbst‑, Winter- oder Frühlings-Interview sitzt. Da kann man sich natürlich eine viertel Stunde lang mit dem immer gleichen Anklagekatalog so lange verhören lassen, bis einem die Mitgliedschaft in der eigenen Partei sichtlich unangenehm wird. Man kann aber auch solche Schnoddrigkeiten einfach mit einem Satz lächelnd wegbürsten und über die eigene Agenda sprechen. Wohlgemerkt, die eigene. Nicht darüber, wie man die des Gegenübers findet.

Das lässt sich aber auch frech verknüpfen. »Was meinen Sie: verbrauchen drei Millionen illegale Migranten mehr CO₂, wenn sie auf Kosten des Steuerzahlers mit dem Taxi quer durch Deutschland tuckern, oder wenn sie in Afrika vom Dorf zum Brunnen latschen? Ja oder ja?« (Zumal die ja von unserem Geld, was sie nach Hause schicken, auch nicht unbedingt Elektroautos kaufen, sondern eher den Schrott, der hier angeblich so böse ist). Auf die Frage fällt nicht mal mir eine gute Antwort ein. Man könnte dann natürlich relativieren, dass das mit dem Diesel ja gar nicht so schlimm ist, Hauptsache die Menschen… Ihr merkt schon: Aus der Nummer kommt man nicht so einfach unbeschadet raus.

Es muss weh tun

Hatte ich »schmerzhaft« schon erwähnt? Nicht nett, gefällig, gar harmlos. Denn wer braucht so eine Opposition? Das hat ja nicht mal Unterhaltungswert für die eigenen Leute! Wir sind freundlich, aber nicht nett. Man würde meinen, dass da langsam mal der Groschen fällt. Die Leute, die heute die einzige echte Opposition hassen, egal ob sie FPÖ, Lega, AfD, Trump, Orban, oder wie auch immer heißt, die wollen keine freundliche Variante davon. Die wollen sie »weg haben«. Egal wie.

Von daher sind auch jegliche Distanzierungs-Übungen (die man nicht selbst für nötig hält!) ebenso niedlich anzuschauen wie zwecklos. Die werden »unsere Themen« einfach kriminalisieren (»Hass«) und verbieten. Unabhängig davon, wie vernünftig und zivilisiert beispielsweise eine Kritik an der fortdauernden illegalen Masseneinwanderung vorgetragen wird. Es ist keine Frage, ob das passiert, nur wann und wie genau. Einfach mal den UN-Migrationspakt lesen.

Wir haben nur eine Chance, das Wählerpotential zu mobilisieren, das sich in allen Umfragen zu den relevanten Sachfragen mit deutlicher Mehrheit zu unseren Gunsten abzeichnet: Öffentlichkeit. Öffentlichkeit. Öffentlichkeit. Geschenkt gibt es die nicht. Die bekommt man nur laut, angriffslustig und provokant. Es gibt dabei sicherlich Grenzen, die man lieber andere ausloten und erweitern lässt, sonst sitzt man irgendwann bedröppelt vor der UNO und die ganze Welt schämt sich fremd. Das setzt allerdings voraus, dass es noch andere gibt. Und man nicht aus einem falsch verstandenen Hygienefimmel selbst an deren Ausgrenzung mitwirkt. Siehe oben. Wer nicht zur eigenen Partei (Verein, etc.) gehört, wird bei ähnlicher Interessenlage einfach nicht kommentiert oder gar kritisiert, aus, fertig.

Zurück in die Offensive

Wie dem auch sei. Es nutzt nichts, wir müssen zurück in die Offensive! Das ist nicht besonders schwer. Es hat Jahre der Vorarbeit gedauert und Milliarden gekostet, den Menschen derartig die Birne weich zu klopfen, dass zumindest ein Teil von ihnen den öffentlichen Missbrauch eines herausgeforderten Kindes abfeiert, sich selbst zum Lemming degradiert und um höhere Besteuerung bettelt.

Doch es bedurfte nur eines frustrierten Spaßvogels, binnen Tagen Hunderttausende vermeintlich unpolitische Zeitgenossen für »Fridays for Hubraum« zu mobilisieren. (Der wird sich jetzt vermutlich just in dieser Sekunde von mir distanzieren, aber das ist ein anderes Thema…) Das Potential ist da, es war nie weg. Auch wenn die meisten Menschen vorerst nur gewisse Facetten des selben Problems wahrnehmen (wollen? / können?).

Fazit: Der politische Gegner hat den Protest der Straße erstklassig gekapert und für seine Zwecke umgeleitet, das kann man nicht leugnen. Im Gegensatz zum »menschengemachten Klimawandel«. Ich will nicht, dass ihr in Panik geratet, denn das seid ihr ja bereits. Ich will, dass ihr die Wattebällchen wegpackt, den Frust runterschluckt und das Ding zurück kapert. Ja, dazu muss man sich vom Bildschirm weg bewegen und seine Wut auf der Straße Gassi führen. In ungefähr… *aufdieuhrguck* jetzt! Jubiläum und so.

Sina Lorenz

Patriotische Libertäre mit Tendenz zu geistigen Amokläufen.
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