Die Vertrags‐Maler

Die Vertrags‐Maler
Foto: Creative Contracts

»All di local and world tori wey you suppose know in 60 seconds!« Alles klar? Das sind die BBC‐Nachrichten für Leute, die wenig Zeit und noch weniger Lust haben, ihre Englischkenntnisse zu vertiefen. Ernsthaft. [1] Es geht aber noch bekloppter: Südafrika testet Comic‐Verträge. Auch ernsthaft.

Das Problem

Klingt vertraut: »Verträge scheinen immer Dokumente ›geschrieben von Anwälten für Anwälte‹ zu sein. Überladen, komplex und schwer zu verstehen, selbst wenn man sehr gebildet ist…« Wohl wahr, wer kennt das nicht? Und mal ehrlich, wer liest (und vor allem versteht ohne Jurastudium) wirklich das Kleingedruckte? Soweit, so leidlich bekannt. Es kann aber auch schlimmer kommen:

»…und sie sind weitgehend undurchschaubar, wenn man kaum Lesefertigkeiten besitzt. Außerdem sind Verträge in Südafrika für gewöhnlich nur in Englisch und Afrikaans verfügbar, die als Erstsprachen nur von einer Minderheit der Südafrikaner gesprochen werden. Wie kann der Vertragsgeber die erforderlichen Informationen einem wenig gebildeten Vertragsnehmer oder in multikulturellen Umgebungen übermitteln?« [2]

Hmmm. Gar nicht? Man könnte stattdessen den Job jemandem geben, der schon mal eine Schule von innen gesehen hat! Ach nee, geht nicht, am Ende bekommt ihn ein Weißer. Dann vielleicht… man könnte gesetzlich festschreiben, dass Verträge generell auch in den anderen neun offiziellen Amtssprachen verfügbar gemacht werden müssen? Wobei, das hilft bei illegalen Schwarzarbeitern (unbeabsichtigtes Wortspiel) von sonst woher auch nicht weiter.

Die Lösung

Nein, nicht Bildung! Das wäre zu einfach. Und dann müsste man sich überhaupt erst mal auf eine Sprache einigen, was in der Vergangenheit schon nicht besonders gut funktioniert hat. [3] Wie wäre es dann mit einer Kommunikationsform, die viel weiter unten ansetzt, etwas in der Art wie Höhlenmalerei, Pantomime oder Namen tanzen, nur in Papierform? Zum Beispiel:

»Comic‐Verträge sind visuell dominierte Verträge, die in Bildern ›geschrieben‹ werden.« *popcornhol* »Die Vertragsparteien werden durch gemalte Charaktere repräsentiert, die Vertragsvereinbarungen als Comics festgehalten und die Beteiligten unterschreiben den Comic als ihren Vertrag.«

Was zum 👿?

»Gut gestaltete Bilder sind fesselnd, einfach zu verstehen und einfach zu merken. Wenn Bilder und Text strategisch zusammen eingesetzt werden, wie in Sprechblasen und Untertiteln…« *schläfenmassier* »…wirkt der Text weniger einschüchternd und sein Verständnis wird sowohl gefördert als auch vertieft.«

R U f*ck🖕ng kidding me!?

Ich hoffe ja immer noch, dass ich einer 🦆 oder einem 😜 aufgesessen bin, den ich nur noch nicht durch👀, aber diesen 📜 hat ein 👨‍🏫 für Wirtschafts⚖️ an der Universität Kapstadt ge✍️.

Gut, könnte man jetzt sagen, so kommunizieren unsere Kinder ja heutzutage auch. Da heißen diese Zeichen halt nur nicht mehr »Comic‐Bilder« oder »Hieroglyphen«, sondern Emojis. Und wir alle wissen, wie lebensrettend die sein können. Wenn man beispielsweise im Allgäu als Ostfriese nach einem Klo fragt. Gut, wenn dann alle Beteiligten ihr Smartphone dabei haben!

Aber mal ernsthaft: Bewegt sich gerade ein nicht unwesentlicher Teil der Welt in die völlig falsche Richtung und verblödet bei lebendigem Leibe — oder kommt mir das nur so vor? Was ist aus dem Streben nach Höherem geworden? Seit wann feiern wir die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner als »Fortschritt«? Was war so schlecht daran, den Leuten das Lesen und Schreiben beizubringen?

Tja, wie dem auch sei. Das erklärt zumindest einiges. [4] Und dabei hatten sie uns Ärzte, Ingenieure und Raketenforscher versprochen…

[1] https://www.bbc.com/pidgin
[2] https://qz.com/africa/1352015/legal-contracts-drawn-up-as-comic-strips-are-being-used-in-south-africa/
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_in_Soweto
[4] https://www.bild.de/politik/inland/bundeszentrale-gesundheitliche-aufklaerung/so-will-die-regierung-fluechtlinge-aufklaeren-44870408.bild.html

Sina Lorenz

Patriotische Libertäre mit Tendenz zu geistigen Amokläufen.
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