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Die Spinne ist wieder da

Oder, drastischer formuliert: »US-Milliardär George Soros will neues Brexit-Votum erzwingen« [1]. Während der SPIEGEL sich um eine möglichst reißerische Schlagzeile bemüht, um gleich danach im eigenen Artikel wieder alles zu relativieren, zu beschönigen und Fake-News zu streuen — versuche ich es mal genau anders herum.

Fünf nach Zwölf

Dass man sich ab einem gewissen Alter mit größeren Projekten nicht allzu viel Zeit lassen sollte, leuchtet wohl jedem ein. Zum Glück sind die wenigsten Rentner gehässige Milliardäre mit dem Potential, ganze Kontinente ins Unglück zu stürzen. Im Gegensatz zu George Soros:

Mit einer Kampagne in Großbritannien will der aus Ungarn stammende Investor und Spekulant George Soros gegen den Brexit kämpfen. Binnen einem Jahr will der 87-Jährige mit der Initiative »Best for Britain« laut »Guardian« eine erneute Abstimmung erzwingen.

Eben jener Börsen-Zocker Soros, wohlgemerkt, der sich gern selbst beim salbungsvollen Schwadronieren über Demokratie, Menschenrechte und die Nachteile des Kapitalismus zuhört. Schwer zu sagen, ob er für die Ironie des geplanten Vorhabens empfänglich ist, bei dem er sehr viel Geld in die Hand nimmt, um die Annullierung einer demokratischen Volksabstimmung zu »erzwingen«.

Trennungsschmerzen und so

Natürlich treiben ihn da nur edle Motive. Beispielsweise: Der BrExit ist doof. Ja. Und: Die armen Briten! Die armen Europäer! Wie lange das alles dauert! Ach, und diese Trennungsschmerzen erst!

»Der Brexit ist ein immens schädlicher Prozess für beide Seiten. Die Trennung wird ein langer Prozess sein, der wahrscheinlich mehr als fünf Jahre dauert«, sagte der Kritiker des ultraliberalen Kapitalismus in einer Rede.

So what? Dann dauert es halt fünf Jahre. Wir werden sicherlich mehr als fünf Jahre brauchen, um die Folgen der Islamisierung und unkontrollierten Masseneinwanderung (an der Soros einen guten Anteil hatte) zu beseitigen und ein Spaziergang wird das vermutlich auch nicht. Aber hilft ja nichts.

Was diesen Punkt betrifft, haben sich meine Motive für die Freude über den BrExit übrigens geändert. Vor zwei Jahren war ich froh, dass sich die Briten mit knapper Not von Brüssel losreißen konnten. Inzwischen bin ich über jeden Zentimeter politischen Abstands froh, den der Kontinent zum Kalifat Britannien gewinnt.

Besorgter Bürger mit Schotter

Aber es geht ja hier nicht um mich. Schließlich habe ich nicht »bislang 500.000 Pfund bereitgestellt«, um den demokratischen Meinungsbildungsprozess in die gewünschte Richtung umzubiegen. Immerhin fallen selbst dem SPIEGEL gewisse Makel am Bild des »Kritiker des ultraliberalen Kapitalismus« auf:

Lange profitierte Soros jedoch auch vom ultraliberalen Kapitalismus. Soros, der in Ungarn geboren wurde, hatte 1992 ein Vermögen mit Wetten gegen das britische Pfund gemacht. Er unterstützte im Wahlkampf 2016 die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Soros gilt auch als scharfer Kritiker des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Zuletzt wettete er zudem auf fallende US-Börsenkurse — und damit auf ein Scheitern von US-Präsident Donald Trump.

Da kann man eigentlich nur hoffen, dass die Briten ein gutes Gedächtnis haben. Sollten sie sich tatsächlich entgegen ihrer eigenen Interessen von dem Mann mit eben jenem Geld bestechen lassen, dass er damit verdient hat, gegen ihre eigenen Interessen zu wetten… So blöd kann unmöglich jemand sein, oder? Lassen wir uns überraschen. Seit der Inhaftierung von Tommy Robinson halte ich alles für möglich.

Bis das Ergebnis »passt«…

Letztendlich, sagte Soros in seiner Rede mit dem Titel »Wie man Europa rettet«, komme es auf den Willen der Briten an. Eine endgültige Entscheidung müsste schnell getroffen werden.

Okay, aber… Sie haben doch ihren Willen bereits bekundet. Endgültig! Sie wollen raus. Ich gebe ja zu, dass sich die Austrittsverhandlungen in einer Art und Weise in die Länge ziehen, die den Eindruck erwecken, als mangele es am politischen Willen, das Referendum überhaupt umzusetzen — doch solange abzustimmen, bis Verhandlungen überflüssig werden, kann ja wohl kaum die Lösung für dieses Problem sein!

Zwar sei in der EU »alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann«. Dennoch sei es besser, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.

Ernsthaft jetzt? Das erinnert mich irgendwie an Frauen, die den eigenen Partner nicht verlassen, obwohl er sie ständig grün und blau prügelt. In manchen Kulturen gehört das sogar zum guten Ton… Aber davon wollen wir uns jetzt nicht inspirieren lassen, oder?

Machen wir uns nichts vor: Die EU hat fertig. Da hilft auch keine Paartherapie mehr. Der Laden fliegt in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett auseinander und das ist vielleicht auch ganz gut so. Solange die Europäer keinen Drang entwickeln, sich selbst eine Verfassung zu geben, die sie vor den Begehrlichkeiten und Übergriffen einer abgehobenen Politkaste effektiv schützt, dürfte dieses Experiment jenseits eines Europas der Vaterländer zum stets gleichen Ergebnis führen: Einem totalitären Zentralstaat.

Wie versprochen: Fake-News

Soros gilt als scharfzüngiger Kritiker vieler Regierungen. In seinem Geburtsland Ungarn hatte ihn Regierungschef Orbán beschuldigt, Europa mit Flüchtlingen zu »überschwemmen«. Ziel sei es, den Kontinent seiner »christlichen und nationalen Identität« zu berauben. Für einen derartigen Plan Soros, der zahlreiche Zivilorganisationen unterstützt, gibt es keinerlei Belege.

Mal unter uns drittklassigen Journalisten, lieber SPIEGEL: Was genau erwartet ihr da eigentlich? Dass dem Soros beim Bilderberger-Treffen versehentlich ein Papier mit dem Titel »Masterplan: Mein Weg zur Weltherrschaft« aus der Tasche fällt? Was genau muss man eigentlich machen, um der deutschen Presse verdächtig zu erscheinen?

Reicht es dafür nicht, jene »Zivilorganisationen« zu unterstützen, die in Afrika und im Nahen Osten Revolutionen anzetteln, aufgrund derer sich Millionen Menschen (Muslime) aus im Chaos versinkenden Ländern Richtung Europa auf den Weg machen, großzügig befördert von eigens finanzierten NGOs, medial und politisch begleitet von selbst finanzierten Organisationen, Denkfabriken, Presseorganen und Lobbyisten? Reicht es nicht, ständig in Veröffentlichungen, Reden und Interviews über die eigenen Ideen zu sprechen? Oder, ich weiß nicht, öffentlich darüber nachzudenken, mit viel Geld eine demokratische Entscheidung zu manipulieren? Und das dann auch zu tun?

Fazit

Meine Güte! Überall sind die Fingerabdrücke von diesem Soros drauf, und der SPIEGEL schmeißt einfach die Lupe weg! Das ist so, als würde jemand ein Buch schreiben, wo er seine ganze irre Ideologie und seine Zukunftspläne darlegt — und keiner liest es. Aber gut, wie wahrscheinlich ist sowas…

[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/george-soros-will-mit-kampagne-neues-brexit-votum-erzwingen-a-1210246.html