«

»

Apr 12 2018

Rechtsfreier Raum: Dreiste Drogendealer in Leipzig

Nafri-Osterhase bei der Arbeit. Foto: TAG24

„Als rechtsfreier Raum wird in den Massenmedien und in der Öffentlichkeit ein zeitlich, räumlich oder thematisch begrenzter Bereich bezeichnet, in dem keine Gesetze wirken, vorhanden sind, beachtet oder durchgesetzt werden“, meint Wikipedia. [1] Wem das zu theoretisch ist, dem sei ein Besuch Leipziger Grünanlagen ans Herz gelegt. Sicherheitshalber als Reisegruppe.

„In den Grünanlagen zwischen Hauptbahnhof und Oper blüht er Sommer wie Winter: der Drogenhandel. Wir zeigen hier mal, wie’s funktioniert“, berichtet TAG24 gutgelaunt und macht sich frisch ans Werk. [2] Ohne große Mühe wird dabei in Wort und Bild minutiös der Arbeitsalltag „illegal Gewerbetreibender“ (tolle Wortschöpfung!) dokumentiert. Ein sehr empfehlenswerter Artikel. Wenn man keine Blutdruck-Probleme hat.

Er endet mit dem Fazit: „Und das Grinsen in ihren Gesichtern verrät, dass sie von Polizei und Justiz offenbar nicht viel zu befürchten haben…“ — Wie ist das möglich, einen Tag nach der „Großrazzia“, der dreizehnten immerhin? Liegt es nur an laschen Gesetzen, am Personalmangel, oder stellt sich die Polizei (gar absichtlich?) dümmer an, als die Polizei erlaubt? Diesen Eindruck könnte man nach der Lektüre des Artikels durchaus gewinnen:

„Für Leipzigs Rauschgiftfahnder ist die Drogenszene trotz der Achtungserfolge kaum zu packen. Denn bei den Verdächtigen finden sie meist nur Kleinstmengen. Und der Stoff in den Depots, die sich in Sträuchern, hinter Baumrinden und in Erdlöchern befinden, lässt sich nur schwer den einzelnen Dealern beweiskräftig zuordnen. ‚Das funktioniert eigentlich nur, wenn wir die Person direkt bei der Entnahme am Depot erwischen‘, erzählt ein langgedienter Drogenfahnder.“

Nun, wie sich das bewerkstelligen lässt, kann er sich ja mal von den TAG24-Reportern erklären lassen. Die hatten damit offenbar nicht solche Schwierigkeiten. Davon mal abgesehen wäre es auch ohne größere Probleme möglich, die Depots zu säubern und damit den „Gewerbetreibenden“ die Geschäftsgrundlage zu entziehen oder sie so zumindest zur Mitführung größerer Mengen zu zwingen. Mit etwas Phantasie bekommt man das schon hin. Wenn man denn will.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir die Null-Toleranz-Politik vieler Länder, in denen Drogenschmuggler und -dealer schon für geringste Mengen viele Jahre hinter Gittern verschwinden (oder gleich mal auf die „philippinische Art“ unbürokratisch für immer aus dem Verkehr gezogen werden), deutlich zielführender erscheint. Leider habe ich keine Gesetzgebungs-Kompetenz in Deutschland. Was kann man nun aber machen, außer dieses Treiben grollend hinzunehmen?

Die emotional naheliegende Lösung, den Dealern das Leben zur Hölle zu machen, ihnen in einem günstigen Moment kollektiv einen Sack über den Kopf zu ziehen und so lange mit einem Knüppel draufzuhauen, bis sie nicht mehr wissen, wo sie ihren Dreck versteckt haben — die kommt aus hoffentlich verständlichen Gründen nicht in Betracht. In diesem Fall wäre der rechtsfreie Raum sehr schnell mit erstaunlich viel Polizei gefüllt. Es muss also anders gehen.

In Dresden beispielsweise erobern sich frustrierte Bürger den öffentlichen Raum einfach zurück. Wenn auch, logisch, aus organisatorischen Gründen nur zeitweilig. Jeden Donnerstag um 19:00 Uhr wird dort am Wiener Platz mit gelben Warnwesten demonstriert. [3] Und wo demonstriert wird, vertickt es sich schlecht Drogen (okay, das mag bei einer linken Demo vielleicht anders sein, da kenne ich mich nicht so aus). Eine kreative, friedliche und legale Idee.

Es wäre also für die Leipziger — so die denn irgendwann wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen — vielleicht keine schlechte Idee, ihre Montagsdemo zwischen Hauptbahnhof und Oper anzumelden. Das gilt natürlich auch für sonstige, normale Städte mit Drogenproblemen. Die Zeiten, wo sich Kriminelle in Parlamenten und auf Straßen ungestört breit machen konnten, müssen so langsam mal ein Ende finden. Holen wir uns unser Land zurück! Sonst tut es keiner.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfreier_Raum
[2] https://www.tag24.de/amp/leipzig-polizei-schwanenteich-drogen-deal-rauschgift-hauptbahnhof-busch-kriminell-lager-razzia-517002
[3] https://www.facebook.com/KEINE-Drogen-in-Dresden-1771812003030312/