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Südafrika: Es ist kein Platz für Weiß im Regenbogen

Die deutsche Wohlfühl-Presse feiert eine völlig unverhältnismäßige Gefängnisstrafe wegen »Hate Speech« — in einem Land, in dem alle paar Sekunden eine Frau vergewaltigt wird (meist folgenlos für die Täter), in dem regelmäßig Menschen gefoltert und ermordet werden (meist folgenlos für die Täter), in dem die Korruption allgegenwärtig ist und staatlich geförderte rassistische Diskriminierung ein knappes Viertel Jahrhundert nach dem Ende der Rassentrennung wieder zum Alltag gehört (hatte ich es schon erwähnt, meist folgenlos für die Täter?). Kurz: In einem Land, das gerade zielstrebig auf einen Genozid an der weißen Minderheit zusteuert und somit keine echten Probleme hat, die deutsche Journalisten beunruhigen würden. Warum bin ich nicht überrascht.

»Innerhalb weniger Minuten schimpfte Vicki Momberg 48 mal ein Wort heraus, das man heute eigentlich nicht mehr auszusprechen wagt: ›kaffir‹. In Südafrika bedeutet es die schlimmstmögliche rassistische Beleidigung gegen schwarze Menschen. Es wurde zu Zeiten der Apartheid verwendet, um Schwarze zu beleidigen und zu erniedrigen. […] Vor wenigen Tagen wurde Momberg für ihre Hasstirade zu drei Jahren Haft verurteilt, wovon sie vermutlich aber ›nur‹ zwei tatsächlich absitzen muss«, berichtet JETZT. [1]

Nun liegt es mir fern, Vicki Momberg für ihre schlechten Umgangsformen in Schutz zu nehmen, aber das bedarf dann doch einer korrekten Einordnung, um den Sachverhalt zu verstehen: »Kaffir« (oder »Kaffer«) hat ungefähr den selben Klang wie »Nigger«. Dieses Wort sagt man nicht nur so dahin, schon gar nicht 48 Mal versehentlich zu einem Polizisten — das sagt man, um jemanden bewusst blöd von der Seite anzumachen. Wirklich neu ist diese Erkenntnis allerdings auch nicht.

Bereits 1976, auf dem Höhepunkt der Apartheid, wurde gerichtlich festgestellt, dass die Verwendung dieses Begriffes eine Beleidigung darstellt. [2] Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 150 Rand verurteilt. Das entspricht nach damaliger Kaufkraft etwa 470 Euro, heute wären es 10 Euro. Darüber könnte man auch viel schreiben, aber egal. Dass der Richter (sehr wahrscheinlich ein Weißer) dem Übeltäter (definitiv ein Schwarzer) besonders milde gesonnen war, nachdem dieser u.a. den Polizeiminister (ziemlich sicher ein Weißer) als »kaffir« bezeichnet hatte, ist eher nicht anzunehmen. Das mal als Relation. Und was tat Frau Momberg?

»Die weiße Frau aber beschimpfte damit einen Polizeibeamten, der helfen wollte, nachdem in ihr Auto eingebrochen worden war. Denn obwohl sie nach Hilfe gerufen hatte, wollte sie sie dann eben doch nicht annehmen – ›nicht von einem Schwarzen‹, sagte sie immer wieder. ›Ich wäre froh, wenn mir eine weiße Person hilft – oder eine farbige oder eine indische. Ich will nicht, dass mir eine schwarze Person hilft.‹ «

Ehrlich gesagt ist das in Südafrika gar keine so unverständliche Reaktion, wenn sie als Weiße die Polizei mit der Intention gerufen hat, diese Straftat tatsächlich aufklären zu lassen. Die ist schon bei den andauernden Farmmorden eher lustlos bis desinteressiert, ganz zu schweigen von einem aufgebrochenen Auto. Und sie hält auch gern mal arglose Straßenverkehrsteilnehmer an, um das eigene Gehalt außerplanmäßig aufzubessern. [3] Aber die Frau musste es natürlich maßlos übertreiben:

»In der Schimpftirade auf den Polizisten machte sie dabei auch klar, dass sie ›keinen einzigen Schwarzen in Johannisburg‹ möge und ihre Meinung dazu auch nie ändern werde: ›Die Kaffirs hier sind fürchterlich. Ich habe es satt. Und dann rufe ich die Polizei und jede Person, die das Telefon abnimmt ist eine schwarze Person. Die sind alle ahnungslos. […] Ich hasse diese verdammten Bastarde.‹ «

Nicht hilfreich. Das ist selten eine gute Idee, da muss man mit den Folgen leben. Aber mal ernsthaft, drei Jahre Haft? Dafür? Verglichen mit dem obigen Urteil wirkt das doch geringfügig überzogen. Und auch in der jüngeren Geschichte finden sich Beispiele für überaus milde »Hate Speech«-Urteile, die in umgekehrter Richtung befremdlich wirken. Da wäre zum Beispiel der berüchtigte Julius Malema, Anführer der linksextremen Partei EFF, der gern mal öffentlich und unmissverständlich die Erschießung von Weißen herbeisingt. Da hat der zuständige Richter 2011 ganz energisch mit dem Zeigefinger gewackelt und ihm harsche Folgen in Aussicht gestellt, sollte er das zukünftig noch mal machen. Herr Malema musste sogar anteilig die Verfahrenskosten tragen. Knallharte Justiz. [4] Und was sagt JETZT dazu?

»Die Konsequenzen für ihre rasstische Hassrede fallen vermutlich auch deshalb so hart aus, weil ein Video davon erst viral gegangen war und dann für einen nationalen Eklat gesorgt hatte. In Südafrika ist das Thema Rassismus schließlich ein besonders heikles, nachdem dort erst 1994 die Herrschaft der weißen Minderheit abgeschafft wurde.«

Ganz ehrlich? Nein. Die Konsequenzen fallen deshalb so hart aus, weil sie als Weiße einen Schwarzen beleidigt hat. Das ist alles. Anders herum wäre ihr ziemlich sicher gar nichts passiert. Nachdem es für einen kurzen historischen Moment so aussah, als könnte das Experiment »Regenbogennation« funktionieren, gibt sich inzwischen niemand mehr dieser Illusion hin. Die Verhältnisse haben sich einfach nur (wenig überraschend) umgekehrt. Südafrika ist wieder ein rassistischer Staat, in dem eine Bevölkerungsgruppe ganz unverhohlen benachteiligt wird und deren Angehörige de facto nur noch Bürger zweiter Klasse sind und zunehmend Freiwild werden. [5] [6]

»Zwar ist Momberg der erste Mensch, der in Südafrika für rassistische Hassreden ins Gefängnis muss. Allerdings soll sie nicht die einzige bleiben, die für derartige Äußerungen hart bestraft wird: Die Richterin, die Momberg verurteilte, sagte, es sei wichtig, ein Exempel an ihrem Fall zu statuieren. Der Bevölkerung müsse klar werden, dass rassistische Hassreden in Südafrika inakzeptabel seien. Das Parlament denkt nun anscheinend sogar darüber nach, ein neues Gesetz zu erlassen, das es leichter macht, Hassreden wie Mombergs angemessen zu bestrafen.«

Ich weiß nicht mal, wie ich das kommentieren soll. Wenn es jetzt schon leicht genug war, jemanden wegen einer dümmlichen Beleidigung für drei Jahre wegzusperren, was genau wird da wohl erst dieses tolle neue Gesetz ermöglichen? Längere Haftstrafen für noch geringere Vergehen? Man wird da wohl, spekuliere ich mal so drauf los, dieses Projekt eher großzügig gestalten (natürlich nur in eine Richtung) — schließlich müssen noch eine ganze Menge Leute weggesperrt werden, deren Eigentum bald möglichst ungestört geraubt werden soll. [7] Aber keine Sorge:

»Ein Großteil der Bevölkerung reagiert begeistert auf das Urteil. Sie müssten nun die rassistischen Kommentare einiger Weißer nicht mehr einfach so ertragen, sondern könnten eben auch rechtlich dagegen vorgehen.«

Nur die rassistischen Kommentare der Weißen, wohlgemerkt. Da freut sich allerdings nicht nur, wie man vermuten würde, die schwarze Bevölkerungsmehrheit, sondern es gibt auch einige weniger stark pigmentierte Irrlichter, deren Tonfall einem unangenehm bekannt vorkommt. Beispielsweise äußert sich Twitter-Nutzerin Saya Pierce-Jones:

»Gott sei Dank ist #VickiMomberg die erste Person in Südafrika, die für crimen injura verurteilt wurde. Anstatt zu versuchen, den schauerlichen rassistischen Onkeln/Tanten aus dem Weg zu gehen, kann ich sie jetzt einfach abholen lassen. Familiengrillen werden jetzt sooo viel besser.« [8]

Okay, aber… man hätte sie auch einfach nicht dazu einladen können? Oder ihnen erklären, warum es nicht hilfreich ist, andere Leute blöd anzumachen? Nur so als Ideen. Aber schon klar, wozu der Aufwand, wenn man sie auch einfach ins Gefängnis befördern kann. Wer also denkt, dass dieser Hass aufs Eigene in Kombination mit fataler Einäugigkeit ein »typisch deutsches« Phänomen ist, muss sich hier eines Besseren belehren lassen. Solche Leute gibt es tatsächlich überall. Und die ticken auch überall gleich. Grauenhaft. Warum JETZT das so abfeiert, erschließt sich spätestens im Impressum. [9]

Was lernen wir daraus? Höflich miteinander umgehen ist immer eine gute Idee. In die Minderheit zu geraten ist immer eine schlechte Idee. Man muss keine bestimmte Hautfarbe haben, um ein Arschloch zu sein. Es lebt sich allerdings einfacher, wenn man am richtigen Ort zur richtigen Zeit die richtige Hautfarbe hat. Die Lernfähigkeit von Menschen wird generell überschätzt… Aber hey, um den Artikel wenigstens etwas positiv ausklingen zu lassen, empfehle ich eine Spende an diejenigen, die sich schon für den schlimmsten Fall wappnen, beispielsweise die private Zivilschutz-Organisation Suidlanders. [10]

[1] https://www.jetzt.de/politik/erste-haftstrafe-fuer-rassistische-hassrede-in-suedafrika
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffer
[3] https://youtu.be/FsvhmbtytmI
[4] https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/southafrica/8757630/Julius-Malema-found-guilty-of-hate-speech-for-singing-Shoot-the-Boer.html
[5] https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2017/11/03/blackmonday-wie-die-bbc-suedafrikas-mordopfer-verhoehnt/
[6] https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2018/01/14/schwarze-horden-pluendern-hm/
[7] https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2018/02/23/wie-suedafrika-in-buergerkrieg-genozid-und-hungersnot-taumelt/
[8] https://twitter.com/saya_pj/status/978922295392600064
[9] https://www.jetzt.de/impressum
[10] https://freestartr.com/project/suidlanders-humanitarian-aid-civil-defense-fund/