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Mrz 20 2018

Zweites MoPo-Opfer: Demonstrant ins Krankenhaus geprügelt

„Brutale Attacke am Montagabend: Ein Teilnehmer der Demo ‚Merkel muss weg!‘ wurde auf dem Weg nach Hause von zwei Unbekannten am U-Bahnhof Stephansplatz angegriffen. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden“, berichtet die Hamburger Morgenpost. [1] Was sie „vergaß“ zu berichten, ist, was die Täter zu diesem Mordversuch animiert haben könnte. Dabei ist die MoPo sonst nicht so schüchtern, wenn es um wilde Spekulationen geht.

Die Täter haben ihr Opfer offenbar nicht zufällig ausgewählt, wie dem Artikel zu entnehmen ist, und sind mit äußerster Brutalität vorgegangen: „[…] Daraufhin schlugen die Angreifer dem 37-Jährigen mehrfach auf den Hinterkopf, bis dieser auf die Knie sank. […] Währenddessen trat einer der beiden Männer noch einmal seinem Opfer mit dem Fuß ins Gesicht, sodass der Geschädigte bewusstlos wurde. Es soll anschließend […] zu noch einem Tritt gegen den Bewusstlosen gekommen sein […] Der 37-Jährige erlitt schwere Kopfverletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht.“

Da von einem Bewusstlosen relativ wenig Gegenwehr zu erwarten ist, gibt es nicht allzu viele Deutungsmöglichkeiten, welcher Zweck mit weiteren Tritten beabsichtig worden sein könnte. Diese Art Täter nimmt auch auf Kinderleben keine Rücksicht [2], insofern dürfte es nur einer Mischung aus „Glück gehabt“ und der mutigen Intervention Umstehender zu verdanken sein, dass dieser Mann nicht an Ort und Stelle das erste Todesopfer wurde. Bleibt die spannende Frage, was treibt Menschen zu solcher Gewalt? Oder besser: Wer?

„Bereits vor einer Woche protestierten 50 Rechte unter dem Motto ‚Merkel muss weg‘. Ihr Ziel: eine regelmäßige Montags-Demo etablieren. Auch für den heutigen Abend kündigte Uta Ogilvie, die bereits die erste Demonstration organisiert hatte, eine Protestaktion an – eine Steilvorlage für die Antifa, die zur Gegen-Demo mobilisierte. […] Auch AfD-Politiker Björn Höcke soll gesichtet worden sein.“ (MoPo, 12.02.2018) [3]

Björn Höcke war in Hamburg? Okay… Wie dem auch sei, jedenfalls wurde hier schon mal der Grundstein für das Phantasiegebäude gelegt. Woher die MoPo weiß, dass es sich bei den Demonstranten um „Rechte“ handelte? Nun, sie weiß es nicht. Aber sie denkt sich vermutlich, dass dieser Logik niemand widerstehen kann: Merkel ist links. Und wenn Merkel weg muss, dann können das folglich nur Rechte fordern. Macht Sinn. Und schließlich wurde auch Höckes Fata Morgana am Jungfernstieg gesichtet. Darauf kann man aufbauen:

„Auf den Plakaten der Demo-Teilnehmer waren Sprüche aus dem rechtspopulistischen Lager zu lesen, unter anderem ‚Schluss endlich mit der Merkel-Diktatur‘ oder ‚SPD – Scharia Partei Deutschland‘. Einige Demonstranten schwenkten Deutschland-Fahnen.“ (MoPo, 19.02.2018) [4]

So langsam zieht der braune Küstennebel herauf. Die „Rechten“ (was im einfachsten Falle schlicht „Konservative“ meint) werden unaufhaltsam in eine bestimmte Richtung geschoben. Jetzt sind es „Rechtspopulisten“. Wir erinnern uns, Björn Höcke „soll“ gesichtet worden sein. Und Höcke hat auch schon mal eine Deutschlandfahne (!!!) geschwenkt, sogar im Fernsehen. Macht es klick? Nein? Bei mir auch nicht. Da es eine Menge begriffsstutzige Leute wie mich gibt, schaltet die MoPo konsequent einen Gang hoch:

„Die Veranstalter sind bemüht, der Sache einen bürgerlichen Anstrich zu geben und reagieren aggressiv, wenn ihnen vorgeworfen wird, rechts zu sein. Doch jetzt warnt auch der Hamburger Verfassungsschutz, dass Rechtsextremisten bei den Veranstaltungen ihre Finger im Spiel haben.“ Gefolgt von einer ganz passablen Buzzword-Parade: „Besorgte Bürger“ (natürlich in Gänsefüßchen), „AfD“, „Rechtspopulisten“, „rechtsextremistischen Strukturen“, „Türsteher- und Alt-Hooligan-Milieu“, „Identitäre Bewegung“, „bei Neonazis beliebten Marke ‚Thor Steinar‘ tragen“, „Neonazi-Szene“, „NPD“, etc. etc. Alles im selben Artikel, wohlgemerkt.  (MoPo, 26.02.2018) [5]

In diesem Bericht wird auch ein überraschend deutliches Bild vom „friedlichen Gegenprotest“ gezeichnet: „Dort seien ‚militante Linksextremisten‘ aktiv.“ Das erscheint etwas plausibler als das restliche Geschwurbel und wird daher von der Morgenpost möglichst knapp abgehandelt. Was macht das schon. Schließlich geht es um den Kampf gegen den Faschismus, da kann man sich seine Freunde nicht immer aussuchen. Dass sie da möglicherweise etwas in Gang gesetzt hat, was sich verselbständigt, könnte der MoPo schon zu diesem Zeitpunkt aufgefallen sein, denn sie berichtet plötzlich sehr handzahm:

„Bereits an den vergangenen Montagen hatten unsere Reporter vor Ort den Eindruck gewonnen, dass es sich bei der Mehrheit der Teilnehmer nicht um Rechtsextreme, sondern eher um Unzufriedene der Kategorie ‚besorgte Bürger‘ handelte. Allerdings waren durchaus Personen aus dem rechten Umfeld vor Ort, die sich aber eher zurückhielten, um der Aktion einen bürgerlichen Anstrich zu verleihen.“ (MoPo, 05.03.2018) [6]

Gut, also was jetzt? Wenn den Reportern bereits in den vergangenen Wochen aufgefallen ist, dass die Mehrheit KEINE Rechtsextremen sind, dann hätten sie das ja auch so berichten können. Und was genau bedeutet „rechtes Umfeld“? Welche Personen konkret? Wie hat man sie erkannt, wenn sie sich doch zurückgehalten haben? Warum haben sie sich überhaupt zurückgehalten, um einer bürgerlichen Veranstaltung einen „bürgerlichen Anstrich“ zu verleihen? (Das ergibt nicht mal Sinn…) So verkauft man natürlich keine Zeitungen. Aber so:

„City – ‚Nicht jeder, der zur Montagsdemo Merkel muss weg geht, ist ein Rechtsextremist. Aber jeder, der da hingeht, muss wissen, dass er mit Rechtsextremisten gemeinsame Sache macht.‚ Das sagt Marco Haase, der Sprecher des Hamburger Verfassungsschutzes. Mittlerweile radikalisiert sich auch die Demo selbst […]“ (MoPo, 07.03.2018) [7]

Das ist fast schon lustig, wenn man bedenkt, was die Morgenpost zwei Tage zuvor geschrieben hat (siehe oben). Nicht nur „nicht jeder“, der dort demonstriert, ist ein Rechtsextremist. Sondern so gut wie keiner. Die Mehrheit sind besorgte Bürger. Ohne Gänsefüßchen. Sowas kommt dabei heraus, wenn sich die Redakteure nicht untereinander absprechen. Zum Glück wurde dieses Missgeschick gerade noch rechtzeitig wieder ausgebügelt. JEDER, der da hingeht, macht nun mit Rechtsextremisten gemeinsame Sache. So schnell geht das. Glückwunsch!

„Die nächste ‚Montagsdemonstration‘ steht an: […] Die Initiatoren, vereint unter dem Motto ‚Merkel muss weg‘, werden der rechten Szene zugeordnet. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) findet nun klare Worte für die Demonstranten. ‚Jeder, der da hinkommt, muss wissen, dass er mit Rechtsextremen gemeinsame Sache macht‚, sagte Grote […] Zudem kritisierte er, dass die Initiatorin der montäglichen Proteste von der AfD-Fraktion als Rednerin ins Rathaus eingeladen worden sei: ‚Das ist jetzt nicht Ausdruck von größtmöglicher Distanz.‘ “ (MoPo, 12.03.2018) [8]

Hmmm. Da fragt man sich natürlich schon, warum die Bekämpfung des linksterroristischen Milieus in Hamburg nicht in die Pötte kommt. Von so einem gewieften Innensenator, der gewaltbereiten Extremismus sogar mit verbundenen Augen erkennt, sollte man eigentlich etwas mehr Enthusiasmus erwarten. Vielleicht gilt der Umkehrschluss: Vielleicht macht jeder, der die Rote Flora nicht räumt, gemeinsame Sache mit Linksextremisten? Kann man nur spekulieren. (Das mit der AfD-Fraktion habe ich nicht verstanden, sollte diese sich von der Demo distanzieren oder umgekehrt?) Es folgt nun der vorläufige Höhepunkt:

„Die Hoffnung von Wutbürgern und Rechtsextremisten, aus der ‚Merkel muss weg‘-Demo eine Massenbewegung zu machen, erfüllt sich offenbar nicht. […] Laut Verfassungsschutz wurden auf den Montagsdemos jetzt auch Sympathisanten und Redner der sogenannten ‚Reichsbürger‘- und ‚Selbstverwalter‘-Bewegung beobachtet […]. Reichsbürger sind Verfassungsfeinde und werden vom Verfassungsschutz beobachtet. […] Laut Hamburger Bündnis gegen Rechts nehmen auch NPD-Kader an den Demos teil […]“ (MoPo, 19.03.2018) [9]

Da hat die Morgenpost nun also erfolgreich das Gros der Bevölkerung rechterseits vom Linksextremismus in einen großen Topf geworfen und kräftig umgerührt. Liest man das, gewinnt man unweigerlich den Eindruck: Bei so wenigen Demonstranten (wie die MoPo nicht müde wird zu betonen!) wären diese Kundgebungen selbst dann gut besucht, wenn jede vom Verfassungsschutz beobachtete oder sonst irgendwie suspekte Gruppe jeweils auch nur einen einzigen Vertreter entsendet.

Allerdings widerspricht das den eigenen Beobachtungen der Morgenpost-Reporter vor Ort und meiner Einschätzung ebenso. Der Verfassungsschutz ist grundsätzlich paranoid, das ist sein Job, das macht ihn allerdings nicht zu einer vertrauenerweckenden Quelle. Ja, tatsächlich verlaufen sich immer wieder ein paar Irrlichter auf diese Demonstrationen, aber gern gesehen sind die dort nicht und werden mitunter auch sehr nachdrücklich vom Mikrofon entfernt, wie man am vergangenen Montag erleben konnte. Gut möglich, dass solche Leute im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung überhaupt erst durch die Falschmeldungen der MoPo angelockt wurden.

Die Frage, die sich die Hamburger Morgenpost gefallen lassen muss, gern auch und hoffentlich bald vor Gericht, lautet: Was löst eine solche „Berichterstattung“ in einer Stadt aus, die ohnehin schon vom Linksextremismus geplagt ist? Hier von Fahrlässigkeit zu sprechen, greift deutlich zu kurz. Es wird von der Morgenpost ganz systematisch ein maximales Feindbild („Die Nazis kommen!!!“) aufgebaut, das linke Kriminelle zu Gewalttaten („antifaschistischer Widerstand“) aufstachelt. Und da ist ja bekanntlich jedes Mittel erlaubt, es kann vermeintlich auch gar keine Falschen treffen. Am Angriff auf die Familie Ogilvie trägt die MoPo ebenso eine Mitschuld wie am gestrigen Überfall. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Toten zu beklagen sind. Dass die Leute jetzt eingeschüchtert zu Hause bleiben, dürfte eher nicht das Ergebnis dieser Ereignisse sein. Auch daran wird die MoPo, unabsichtlich natürlich und dankenswerterweise, eine Mitschuld tragen.

[1] https://www.mopo.de/hamburg/polizei/zeugen-gesucht–mann–37–nach–merkel-muss-weg—demo-bewusstlos-gepruegelt-29898854
[2] https://dunkeldeutschland.blog-net.ch/2018/02/13/doppel-pack-steuerfinanzierter-terror-und-luegenpresse/
[3] https://www.mopo.de/hamburg/rechte-und-linke-demonstrieren-polizei-mit-grossaufgebot-am-jungfernstieg-29677906
[4] https://www.mopo.de/hamburg/polizei/polizei-im-grosseinsatz-230-bei–merkel-muss-weg–demo—800-gegendemonstranten-29729288
[5] https://www.mopo.de/hamburg/verbindung-zu-rechtsextremen-verfassungsschutz-warnt-vor-anti-merkel-demo-29780560
[6] https://www.mopo.de/hamburg/anti-merkel-demo-350–besorgte-buerger–am-dammtor—1000-linke-mit-gegenprotest-29821468
[7] https://www.mopo.de/hamburg/rechte-am-dammtor–der-chef-hetzer-der-anti-merkel-demo-29828710
[8] https://www.mopo.de/hamburg/innensenator-andy-grote–so-hart-verurteilt-er-die–merkel-muss-weg–demonstranten-29856782
[9] https://www.mopo.de/hamburg/politik/heute-wieder-montags-demo-jetzt-sind-auch-reichsbuerger-mit-dabei-29888588