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Europa auf dem Weg in die Diktatur #FreePettibone #FreeSellner

Stell Dir vor, Du planst in einem fremden Land eine öffentliche Rede, ausgerechnet zum Thema Meinungsfreiheit, oder Du möchtest ein Interview mit einem Dissidenten führen — und bereits am Flughafen nimmt Dich die Polizei in Empfang und das Elend seinen Lauf. »Gut«, denkst Du vielleicht, »Ich wollte ja ohnehin nicht nach Nordkorea oder in die Türkei fliegen!« Es handelt sich im vorliegenden Fall allerdings um das (noch-)EU-Land Großbritannien. [1]

Aufgrund fadenscheiniger Behauptungen festgenommen, von Mitreisenden getrennt und dann zusammen mit Verbrechern ohne Anklage oder richterlichen Beschluss de facto interniert zu werden: so eine »Behandlung« erwartet man eher von despotischen Regimen. In London, sofern man keine Bombe im Gepäck mitführt, als unbescholtener EU- oder US-Bürger eher nicht. Dieser bedauerlichen Fehleinschätzung sind nun Martin Sellner und Brittany Pettibone bei der Einreise nach Großbritannien zum Opfer gefallen.

Sellner hatte für Sonntag eine Rede auf der berühmten Speakers’ Corner geplant, dem sprichwörtlichen Platz der Meinungsfreiheit, wo sich jeder ohne Anmeldung zu einem beliebigen Thema öffentlich äußern darf (solange er nicht das Königshaus kritisiert, das geht dann doch zu weit). Und mit »jeder« ist wirklich jeder gemeint. Dort haben bereits Menschen geredet, deren rechtzeitige Verhaftung der Welt Einiges erspart hätte, beispielsweise Lenin und Karl Marx. Oder, und er würde jetzt im Grabe rotieren, auch der berühmte »1984«-Autor George Orwell.

Des Falschdenks verdächtig war nun also Martin Sellner. Er hatte noch gar nicht gesprochen, wohlgemerkt, er hatte es nur geplant. Diese Aussicht war den britischen Behörden offenbar derart unbehaglich, dass sie ihn gleich mal weggesperrt haben. Das ist übrigens auch auf der verregneten Insel nur in besonders drastischen Fällen (Terrorismus und andere schwere Straftaten) länger als 24 Stunden »einfach so« möglich. Die Vorwürfe? Er gehöre einer »bekannten rechten Organisationen« an. Und er wolle zum »Rassenhass« aufstacheln.

Ob die Einreise ins Vereinigte Kalifat… pardon, Königreich unter diesen Vorzeichen für CSU-Politiker noch sicher ist, kann man nur spekulieren. Die Möglichkeit jedenfalls, dass Martin Sellner zu irgendeinem Hass aufstachelt und gewaltsame Unruhen auslöst, dürfte ungefähr so wahrscheinlich sein wie die öffentliche Verkündung einer kompletten Grenzschließung durch Angela Merkel. Es besteht immer ein Restrisiko, ist aber nach menschlichem Ermessen eher nicht zu erwarten. Falls sie jetzt trotzdem jemand vorsorglich verhaften… Ich schweife ab.

Noch grotesker als die (nicht gehaltene) Rede von Martin Sellner muten die für die illegale Inhaftierung der US-Bürgerin Brittany Pettibone vorgeschoben »Gründe« an: Sie hatte ein Interview mit Tommy Robinson geplant. Ein Interview. Als Journalistin. Nein! Robinson wiederum ist inzwischen selbst als freier Journalist unterwegs. In Ausübung dieser Tätigkeit sind er und sein Team am Samstag übrigens auf offener Straße und vor laufenden Kameras von offenkundig linksextremen Schlägern überfallen worden. Festgenommen wurde von denen keiner. [2]

Jetzt würde man vermuten, dass bei derartigen Vorfällen die Mainstreammedien komplett ausrasten. Journalisten werden verhaftet und verprügelt, Redner vorsorglich inhaftiert — aber Fehlanzeige. Das Schweigen der »üblichen Verdächtigen« ist erdrückend und überaus entlarvend. Während ein Aufschrei der Empörung durch die sozialen Medien geht, Hashtags wie #FreeSellner und #FreePettibone das Unrecht anprangern, ist von der »FreeDeniz«-Fraktion nichts zu vernehmen.

Das überrascht nun nicht, immerhin hat es diesmal keinen Deutschenhasser erwischt. Bemerkenswert ist allenfalls die selbe Ignoranz wie bei der Einführung des Zensurgesetzes (»NetzDG«). Inzwischen dämmert einigen Systemmedien, dass ihre »korrekte Einstellung« nicht viel zählt, sobald private Akteure mit der Pistole an der Schläfe zum vorsorglichen Löschen motiviert werden. Was heute die »richtige Seite« ist, kann schon morgen in einer Demokratie ganz neu verhandelt werden.

Bleibt festzuhalten: Großbritannien hat aus »dem Problem mit einem gewissen Gandhi« nichts gelernt. Viel dümmer kann man sich kaum anstellen. Gestern waren Brittany und Martin noch einfache Bürger. Heute sind sie politische Gefangene. Genau so erschafft man Helden und Märtyrer, so befeuert man den Widerstand. Die Botschaft sollte wohl lauten: Hütet euch, es kann jeden treffen, jederzeit und überall, einfach so! Ist angekommen. Aber darauf entgegne ich nur: Danke, gleichfalls! Ihr geistigen Bonsaibäumchen ahnt nicht mal, was ihr da losgetreten habt. Und das ist vielleicht auch gut so.

[1] https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2018/identitaere-bewegung-verurteilt-festnahme-von-martin-sellner/
[2] https://youtu.be/Nn5RtDC-roI