Warum ich weiter kämpfe

Warum ich weiter kämpfe

Gelegentlich wird die Frage an mich herangetragen: Warum tust Du Dir eigentlich jeden Tag diese Hetze in den Mainstreammedien an? Wird man nicht irgendwann verrückt davon? Um mal mit der zweiten Frage zu beginnen, weil es schneller geht: Ja. Wird man. Ich habe schon vor geraumer Zeit den Verstand verloren. Seither ist Vieles leichter. Und worüber sollte ich mich sonst auch lustig machen? Dieser kostenlose Berg an Schwachsinn darf nicht vergeudet werden. Die eigentliche Frage ist damit natürlich nicht beantwortet. Warum tue ich mir das an?

Weil ich nicht anders kann. Weil ich meinen Kindern nicht einschärfen will, dass sie dieses oder jenes daheim Besprochene »aber nicht in der Schule sagen« dürfen. Ich bin selbst noch mit dieser Warnung im Hinterkopf zum Fahnenappell angetreten. In einem Land, das nicht mehr existiert. In einem Land, das keinen Widerspruch zur Parteimeinung geduldet hat. Einem Land, das seine Bürger hinterrücks erschossen hat, wenn sie auch mal andere Länder sehen wollten. In einem Land, in dem man für Gedichte ins Gefängnis gewandert ist. In einem Land, in dem die Wände Ohren hatten und das Knacken in einem der seltenen Telefone nicht nur auf technische Probleme zurückzuführen war.

Dieses Land gibt es nicht mehr. Ich habe es scheitern sehen. Es war erstarrt und kraftlos geworden und wurde von den eigenen Bürgern — sofern sie noch nicht »ausgereist« waren — wegdemonstriert. Einfach so. Auch wenn ich daran altersbedingt nur einen kleinen Anteil hatte (ich halte mir immerhin zugute, dass meine subversiven Aktionen der Staatsbürgerkunde‐Lehrerin vermutlich einige Lebensjahre gekostet haben, sie alterte praktisch vor meinen Augen). Meine Eltern hatten zunächst Bedenken, mich zu den allerorten anschwellenden Montagsdemos mitzunehmen. Die Gefahr, dass dieses Aufbegehren wie schon 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in der damaligen Tschechoslowakai, 1981 in Polen oder 1989 in China »auf die übliche Art« beantwortet wird, war nicht von der Hand zu weisen. Es kam zum Glück nicht dazu.

»Wir sind das Volk!« war unser Soundtrack in die Freiheit. Diese Losung hat Mauern eingerissen und Betonköpfe von ihren Sockeln gefegt. Mit so einer prägenden Erfahrung ins Leben gestartet zu sein, ist eine Lektion, die man nicht mehr verlernen kann. Selbst wenn man wollte. Sie brennt sich regelrecht in die DNA ein. Was wir damals nicht verstanden haben, und was jetzt viele Menschen auf die harte Tour lernen müssen: Freiheit ist kein Endzustand, den man einmal erreicht, und dann ist alles gut. So funktioniert das nicht. Und man sollte die Dinge immer richtig zu Ende bringen. Sonst holt einen das vergangene Land wie ein Wiedergänger aus der Gruft ein und ist ganz plötzlich allgegenwärtig. Teilweise sogar mit dem selben Personal.

Meinung ist wieder gefährlich geworden. Sie kann den Arbeitsplatz kosten, die Freiheit, die Gesundheit oder das Leben. Es wirkt nur auf den ersten Blick befremdlich, dass die Schlägertrupps der SED‐Nachfolgepartei »Die Linke« heute Seite an Seite mit den Bürgerrechtlern von damals (nicht wenige davon haben eine neue Heimat bei den Grünen und in der SPD gefunden), gemeinsam mit Alt‐ und Neu‐Sozis aus dem Westen ungestraft die friedlichen Gegner der in der DDR sozialisierten CDU‐Alleinherrscherin Angela Merkel terrorisieren. Da ist auf gruslige Weise zusammengewachsen, was zusammengehört. Es wird ihn immer geben, diesen Bodensatz an Blockwarten, Denunzianten und Sturmtrupplern, die sich jeder Diktatur gerne andienen. Und auch die machtgeilen Opportunisten, die dieses Potential für sich zu nutzen wissen.

Ja, das wirkt auf den ersten Blick deprimierend und einschüchternd. Jene Leute, für die »Deutschland verrecke« nicht nur irgendein cooler Spruch, sondern Programm ist, haben auf nicht ganz ungeschickte Weise den Marsch durch die Institutionen erfolgreich absolviert und nutzen sie schamlos für ihre Agenda. Das muss man ihnen lassen (bevor man es ihnen wegnimmt). Das tägliche Bombardement mit Propaganda wirkt übermächtig. Für gelernte Ossis ist es ein wenig leichter, gezielt die Ohren anzulegen und darüber zu lachen. Früher war es der Klassenfeind, der Kapitalismus, der Imperialismus, ausländische Provokateure, etc. Heute sind es Populisten, Rechte, Nazis, russische Hacker. Auf keinen Fall würden die eigenen Bürger gegen die wundervolle Regierung protestieren, wenn sie nicht böse Mächte verführt hätten! Irgendwas ist halt immer. Man darf sich davon nicht verrückt machen lassen.

Meinen Kindern wird ganz sicher niemand vorschreiben, was sie zu denken, zu sagen, zu essen oder auf dem Kopf zu tragen haben. Diesen Text überhaupt verfassen zu müssen, ist bereits deutlich jenseits meiner persönlichen Grenze des Erträglichen. Ich bin allerdings auch nicht untätig, sonst würde ich noch mal den Verstand verlieren (ist das technisch möglich?). Ich werde diese misshandelte Demokratie und unsere Freiheit mit allen legalen Mitteln retten. Derzeit schaut es so aus, als könnte dies gelingen (was allerdings nicht an mir liegt). Wir haben mit der AfD eine äußerst streitfreudige Opposition in den Parlamenten verankert, bis zum Jahresende in allen; wir werden nächstes Jahr mit etwas Glück die erste AfD‐Landesregierung im Amt sehen. Im Bund hat sie die SPD bereits achtlos beiseite geschubst und bläst wie versprochen zur Jagd auf die Ewige Kanzlerin. Wir haben inzwischen eine vielfältige Gegenöffentlichkeit. Und wir haben vor allem wieder Bürger auf der Straße.

Erfahrungsgemäß wird alles noch viel schlimmer, bevor es besser werden kann. Erstaunlich vielen Menschen geht Politik völlig am Arsch vorbei und ich behaupte, dass man die DDR allein mit Reisefreiheit und Bananen hätte retten können. Zumindest für eine Weile. Zum Glück ist auf diese Idee damals keiner gekommen, bzw. zu spät. Nicht ganz zu Unrecht wird daher gelegentlich behauptet, der Ruf »Wir sind das Volk!« wäre unzutreffend. Wir seien ja nur ein Teil des Volkes. Das stimmt. Das war auch »damals« so. Trotz der am Ende beeindruckenden Teilnehmerzahlen an den Demonstrationen hat statistisch nur ein kleiner Teil der Bürger offene Opposition gewagt. Es ist aber eben jener relevante Teil, vor dem die Herrschenden zurecht Angst haben. Die Masse der Schlafschafe ist nicht das Problem. Die kann man mit Brot und Spielen auf Kurs halten.

Uns aber nicht. Mich nicht. Dich auch nicht, sehr wahrscheinlich, wenn Du das liest. Wir werden dieses System kippen, diesen Kriminellen entreißen und die Rechtsstaatlichkeit, die Meinungsfreiheit, die Souveränität wieder herstellen. Es wird kein zentralistisches EU‐Eurabien geben, keine politische Verfolgung mehr, keine Islamisierung und keinen Großen Austausch. Wir werden dem Spuk ein Ende bereiten. Um jeden Preis, wenn es sein muss. Sie werden uns diffamieren und als Kriminelle verfolgen, weil wir nicht nur unser Recht, diese Verfassung zu schützen wahrnehmen, sondern uns auch vor dieser Pflicht nicht drücken. Wer sich heute wegduckt, wird morgen seinen Kindern Rede und Antwort stehen, warum sie gebückt gehen müssen. Scheitern ist daher keine Option. Darum kämpfe ich.

Sina Lorenz

Patriotische Libertäre mit Tendenz zu geistigen Amokläufen.
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