Schön tief Luft holen…

Schön tief Luft holen…

Feiertage, wie kürzlich der Tag der Deutschen Einheit, sind immer eine gute Gelegenheit, für einen Moment innezuhalten, die quirlige Welt auszublenden, neugierig in die plötzlich einsetzende Stille zu lauschen und entspannt Bilanz zu ziehen. Nun, so hatte ich mir das zumindest vorgestellt… Es kam natürlich alles ganz anders. (Das hätte ich mir freilich auch denken können!) Und zwar:

Ich konnte nicht. Eigentlich wollte ich es auf alle anderen schieben, allein schon, weil das am einfachsten ist. Dieses permanente, hysterische-apokalyptische mediale Sperrfeuer aus allen Richtungen wäre eine gute Ausrede gewesen. Dem grenzdebilen Geschnatter des Fränk-Wolter Stonedheimer kann ja noch ganz gut entgehen, solange er nicht persönlich vorbeikommt, um seine Rede zu halten; und die eigene Freundesliste lässt sich notfalls stummschalten (zumindest der elektronische Teil davon) — aber mal ehrlich: Ich komme selbst nicht mehr runter. Der Ausschalter ist kaputt.

Etwas Gutes hatte die Sache aber. Die Bilanz fällt jetzt deutlich positiver aus, als ursprünglich geplant. Ohne dem Bundesklops (interessant, dieses Wort streicht die Rechtschreibkontrolle nicht an) hier zu viel Raum zu geben, aber mir ist plötzlich klar geworden, dass seine nackte Panik, völlig zurecht übrigens, auf unseren Erfolgen beruht. Tote Hunde prügelt niemand. Zwar halte ich den Mann nur für mäßig talentiert, aber er ist nicht halb so dumm, wie er aussieht. Der hat schon ganz gut verstanden, oder zumindest gespürt, dass sich seine Zeit dem Ende zuneigt.

Klar, man könnte jetzt darüber jammern, dass wir 27 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung irgendwie erneut an dem Punkt stehen, wo wir gestartet sind. Das stimmt allerdings auch nur »irgendwie«. Ja, es gibt wieder eine vom Volk entkoppelte politische Elite, die sich mit allen (von uns bezahlten) Mitteln an die Macht krallt, unbequeme Leute wegsperrt, mit Zensur und Propaganda die Wirklichkeit zurechtbiegt, mit rotzfrecher Selbstgefälligkeit die eigenen Gesetze bricht oder einfach umschreibt, dazu Terror, tägliche Einzelfälle und die sich am Horizont abzeichnende Landnahme durch einen weitaus gefährlicheren Gegner, und, und, und…

Ich weiß das alles. Aber. Wir haben gerade auch nach 27 Jahren eine echte Opposition als drittstärkste Kraft ins Parlament gebracht. Sie haben alles versucht, was legal vorstellbar war (und noch ein bisschen mehr), um das zu verhindern, der ganze Apparat, die GEZ-Milliarden, die Schlägertrupps auf der Straße — und sie konnten nichts dagegen tun. Eine paar junge Leute haben im Sommer, dank zahlreicher Unterstützung, auf nur einem einzigen Boot Kopf und Kragen riskiert und eine millionenschwere Schlepperflotte im Mittelmeer de facto lahmgelegt (zugegeben, die Umstände waren auch günstig). Und ihre Gegner haben auch alles Legale, und noch mehr Illegales versucht, um das zu verhindern. All die Millionen, die Medien, die staatlichen Helfershelfer — und sie konnten nichts dagegen tun.

Ist euch schon mal in den Sinn gekommen, dass wir möglicherweise grad gewinnen? Wisst ihr überhaupt noch, wie sich das anfühlt? Herrgott, Spanien geht auch nicht unter, nur weil es zu blöd ist, einen Zaun ordentlich zu sichern und eine Abschiebung regelkonform durchzuführen. Genau genommen können die auch einfach so weitermachen wie bisher, denn diese Vorgehensweise kostet lediglich 5.000 Euro Strafe pro Fall und das ist immer noch billiger, als die Leute über den Umweg eines aussichtslosen Asylverfahrens wieder loszuwerden. Wenn man 780 Jahre lang von den Muselmanen besetzt ist, das ist ein Problem. Und die sind wir auch wieder losgeworden.

Auch wenn ich mir das gelegentlich selbst ins Gedächtnis rufen muss: Hört auf, in »Endstadien« zu denken. Geschichte endet nicht irgendwo. Für einzelne Teilnehmer vielleicht, aber im Großen und Ganzen nicht. Selbst wenn eine Fehlentwicklung völlig aus dem Ruder läuft und in die unausweichliche Katastrophe führt: Ja, und? Wie werden sich wohl unsere Vorfahren gefühlt haben, als der Russe vor der Tür stand und 50 Jahre nicht mehr nach Hause gegangen ist? Das ist ein Problem. Und die haben sich auch nicht einfach hingesetzt und haben aufgegeben. Inzwischen wünschen sich nicht wenige, dass der Russe nochmal wiederkommt.

Zwei Diktaturen, zwei Weltkriege, Millionen Tote. Nur im vergangenen Jahrhundert. Die Spanische Grippe hat allein in Köln pro Tag über 30 Leute hingerafft. Dafür müsste der IS eine ganze Menge LKWs mieten. Das sind Probleme. Und Deutschland ist immer noch da. Die Deutschen sind immer noch da. Ich sage nicht »alles ist gut«, denn das ist es nicht, und ich sage auch nicht »alles wird gut«, denn das weiß ich nicht, aber ich sage: Jo, muss halt.

Wir sind bei aller Dramatik in einer vergleichsweise komfortablen Ausgangsposition und weder die heraufdämmernde dritte Diktatur, noch die demokratische Katastrophe (interessanter Tippfehler, das sollte »demographische« heißen, macht aber irgendwie auch Sinn) nebst dem Islam oder sonst etwas sind »alternativlos«. Nicht mal das Klima ist sich sicher, ob es sich wandeln will und wenn ja, wie genau.

Einfach mal schön tief Luft holen…
Wir werden einen langen Atem brauchen.

Sina Lorenz

Patriotische Libertäre mit Tendenz zu geistigen Amokläufen.
Menü schließen